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Transgeschlechtlichkeit
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Transgeschlechtlichkeit (von lateinisch trans âhinĂźberâ âjenseitsâ; englisch transgender; adjektivisch transgeschlechtlich, kurz trans) oder Transidentität (von lateinisch identitas âWesenseinheitâ âIdentitätâ) bezeichnet bei Personen, dass ihre Geschlechtsidentität nicht oder nicht vollständig mit dem in der Regel anhand äuĂerer Merkmale vor oder unmittelbar nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht Ăźbereinstimmt.cite-ref-31-1-0[1]cite-ref-2[2]
Transgeschlechtlichkeit ist ein Ăberbegriff fĂźr viele Personen, die sich dem queeren bzw. LGBT-Spektrum zuordnen. Sie ist unabhängig von sexueller Orientierung.cite-ref-3[3] Zum Ăberbegriff gehĂśren binäre Transmenschen,cite-ref-4[4]cite-ref-5[5] beispielsweise Transfrauen und Transmännercite-ref-6[6], genauso wie nichtbinäre Transpersonen, die sich Ăźber die Geschlechtergrenzen hinaus identifizieren bzw. eine geschlechtliche Zuordnung vollkommen verweigern.cite-ref-15-7-0[7]cite-ref-8[8] Menschen, die nicht trans sind, werden entsprechend als cisgeschlechtlich oder einfach cis bezeichnet.
Der Grad, zu dem Personen sich mit ihrer äuĂerlichen Erscheinung wohlfĂźhlen und ihre authentische Identität annehmen, wird auch als Transgender-Kongruenz bezeichnet (englisch transgender congruence).cite-ref-9[9] Manche Transpersonen erleben Geschlechtsdysphorie, leiden also darunter, dass sie sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde (Geschlechtsinkongruenz). Einige von ihnen streben deshalb medizinische MaĂnahmen an, etwa Hormonersatztherapie und geschlechtsangleichende Operationen.
Das heutige Verständnis von Transgeschlechtlichkeit ist wenige Jahrzehnte alt, und auch die älteren Konzepte der Transsexualität und des Transvestitismus reichen nur bis ins frßhe 20. Jahrhundert zurßck. In vielen Gesellschaften wurden Transpersonen von Zeitgenossen aufgrund ihrer Weigerung, in gesellschaftlich vorgeschriebene Geschlechterrollen zu passen, mit Argwohn betrachtet oder fßr unnatßrlich bzw. psychisch krank gehalten.
Magnus Hirschfeld war ab etwa 1910 ein Pionier der Forschung an Transmenschencite-ref-5-10-0[10] und deren medizinischer Behandlung, und darauf aufbauend wurde bis in die 1990er-Jahre Transgeschlechtlichkeit besonders unter den medizinischen Aspekten betrachtet.cite-ref-6-11-0[11] Um die Jahrtausendwende vollzog sich ein Paradigmenwechsel, da Transmenschen anfingen, sich nicht mehr durch das biologische Geschlecht und dessen Veränderungen zu definieren, sondern durch die Geschlechtsidentität und deren Ausdruck. Zur gleichen Zeit, teilweise bereits seit den 1970er-Jahren, verbesserte sich in vielen Ländern die rechtliche und soziale Situation von Transpersonen. Allerdings ist seit 2020 in manchen Regionen wie den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten KÜnigreich ein erneutes Aufkommen von Transfeindlichkeit (Transphobie) zu beobachten.cite-ref-7-12-0[12]cite-ref-8-13-0[13]
Contents
⢠Begriffe
⢠Identitäten
⢠Grundlagen
⢠Transvestismus
⢠Trans, trans*
⢠Geschichte
⢠Vorgeschichte
⢠Gemeinschaft
⢠Häufigkeit
⢠Sozialer Druck
⢠Transition
⢠Aktionstage
⢠Medizin
⢠Diagnostik
⢠MaĂnahmen
⢠Filme und Serien
⢠Musik
⢠Literatur
⢠Computerspiele
⢠Literatur
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Begriffe
Identitäten
Seit im Zuge der Aufklärung ein Diskurs zur âSexualitätâ begann, war er bis weit in die 1970er Jahre bestimmt durch einen biologistisch-essentialistischen Ansatz, nach der sexuelle Kategorien biologisch veranlagt sowie kultur- und geschichtsĂźbergreifend anwendbar seien.cite-ref-spec-14-0[14]
Michel Foucaults Der Wille zum Wissen sorgte ab 1977 fĂźr eine Verschiebung hin zu einem konstruktivistischen Modell. Demnach konstituierte sich Sexualität als kulturelles und soziales Identitätskonzept erst im 19. Jahrhundert, zuvor habe es auch noch keine Begriffe gegeben, die wie die heutigen âheterosexuellâ, âtransâ, âschwulâ oder âlesbischâ geeignet waren, entsprechende Selbstverständnisse zu benennen.cite-ref-schopp-in2-15-0[15] Seither werden sexuelle und geschlechtliche Identitäten als Konstruktionen begriffen, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahmen. Damit legte Foucault den Grundstein zur Entwicklung der Queer-Theorie ab den 1990er Jahren, nach der die Konstruktion binärer Geschlechtlichkeit nur eine von vielen gleichberechtigten und gleichursprĂźnglichen Konzeptionen von Sexualität ist und daher hinterfragt werden kann. Damit wurde die Grundlage fĂźr ein weiteres Verständnis von Transidentitäten geschaffen.cite-ref-spec-14-1[14]cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Dieses Verständnis ist im 21. Jahrhundert aus den Queer Studies insbesondere der USA zunehmend herausgefordert worden. Während aktivistische Historikerinnen wie z. B. Susan Stryker auf essentialistische Konzepte zurßckgriffen,cite-ref-18[18] nutzten z. B. Clare Sears oder Scott Larson den Begriff transgender stattdessen als analytischen Rahmen abseits biographischer Fragen. Auch Literaturwissenschaftlerinnen wie Carolyn Dinshaw oder Valerie Traub entwickelten Theorien zugunsten historischer Kontinuitäten. Solche Ausdehnungen des Begriffs fßhren in der Regel dazu, dass der Horizont von der Nachkriegszeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wieder mit in den Blick genommen wird.cite-ref-19[19] Eine nachhaltige Resonanz hin zu einem neuen Paradigmenwechsel ist bisher keinem dieser Ansätze gelungen.cite-ref-20[20]
Grundlagen
Der Ausdruck transgeschlechtlich war ursprßnglich eine Bezeichnung fßr Menschen, die sich mit ihrem ursprßnglichen biologischen Geschlecht nur teilweise oder gar nicht identifizieren und ihr biologisches Geschlecht als nicht ßbereinstimmend oder falsch empfinden. Dieses bei der Geburt zugewiesene Geschlecht wird im Englischen mit den Begriffen birth-assigned gender bzw. der Abkßrzung AGAB (assigned gender at birth) bezeichnet, um es vom eigentlichen Geschlecht (Geschlechtsidentität) zu unterscheiden.
Transmänner sind Personen, denen nach ihrer Geburt meist das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde (englisch assigned female at birth, AFAB), die sich jedoch als Mann identifizieren; Transfrauen sind Personen, die sich trotz der Feststellung des meist männlichen Geburtsgeschlechts (assigned male at birth, AMAB) als Frau identifizieren.cite-ref-31-1-1[1] Während sich manche Transpersonen eindeutig mit einem einzelnen Geschlecht identifizieren, lehnen andere jede eindeutige Form einer Geschlechtszuweisung oder -kategorisierung fßr sich ab.
Weiterhin identifizieren sich manche Transpersonen mit einem der beiden binären Geschlechter Mann und Frau, während sich andere nichtbinär einem weiteren oder gar keinem Geschlecht zuordnen.cite-ref-14-21-0[21] Die weiter gefassten Bezeichnungen transmaskulincite-ref-22[22]cite-ref-23[23]cite-ref-24[24] und transfeminincite-ref-25[25]cite-ref-26[26] schlieĂen auch nichtbinäre Personen ein, die sich nur teilweise oder gar nicht mit einem der beiden vorherrschenden Geschlechter identifizieren.
In der Vergangenheit entstanden verschiedene Begriffe, um Transgeschlechtlichkeit und ihre Aspekte zu beschreiben, die nicht immer synonym sind. Teilweise handelt es sich dabei um Selbstbeschreibungen von Transpersonen, teilweise wurden die Begriffe von AuĂenstehenden erdacht. Der Gebrauch der Bezeichnungen trans und transgender/transgeschlechtlich zeigt eine Abkehr von dem in Rechtsprechung und Gesetzgebung lange Zeit vorherrschenden, auf kĂśrperliche Eindeutigkeit fokussierten Konzept der Transsexualität, das im Kontext der Medizin und Sexualforschung der 1970er-Jahre geprägt wurde und durch diesen medizinischen Hintergrund als pathologisierend wahrgenommen werden konnte.
Diese Verschiebung der Präferenz von Bezeichnungen, die das biologische Geschlecht betonten (transsexuell) hin zu Bezeichnungen, die Geschlechtsidentität und -ausdruck betonen (transgender, Transmenschen), reflektiert einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis von Transpersonen.cite-ref-15-7-1[7] Die Wahl der Bezeichnung, der Name und das Pronomen sollen allein der betreffenden Person ßberlassen werden.
Allen Begriffen gemein ist das Präfix trans, das als lateinische Präposition âhinĂźber, jenseitsâ bedeutet. Es beschreibt den Umstand, dass Transpersonen sich âauf der anderen Seiteâ des ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts befinden, wobei diese andere Seite nicht unbedingt das jeweils andere binäre Geschlecht sein muss. Entsprechend erklärt sich die Verwendung des gegenteiligen Präfix cis mit der Bedeutung âauf der hiesigen Seite, diesseitsâ, das genau wie trans in vergleichbarer Weise in der Wissenschaft Anwendung findet (z. B. in der Chemie).
Transvestismus
Der deutsche Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld prägte 1910 die Bezeichnung Transvestiten, damit war erstmals ein Begriff geschaffen, der Menschen umfasste, die in einer Differenz von biologischem Geschlecht und Selbstverständnis lebten. Seine Definition von Transvestit war noch erheblich weiter gefasst als spätere Definitionen des Begriffs,cite-ref-5-10-1[10] sie umfasste neben Menschen, die sich gelegentlich, regelmäĂig oder ständig als AngehĂśrige des anderen Geschlechts kleiden, auch transgeschlechtliche Phänomene. FĂźr Menschen, die sich nicht einfach nur gegengeschlechtlich kleideten, sondern nach heutigem Verständnis transgeschlechtlich waren, verwendete er 1923 â in der letzten Ausgabe seines Jahrbuchs fĂźr sexuelle Zwischenstufen â den Begriff des seelischen Transsexualismus, eine geschlechtliche Variation, die er als Vorstufe des Hermaphroditismus ansah.
Transsexualität, transsexuell
Das Wort transsexuell setzt sich aus den Bestandteilen Lateinisch trans und deutsch sexuell (von lateinisch sexus âGeschlechtâ) zusammen. Der Ăśsterreichische Philosoph Otto Weininger verwendete die Bezeichnung Transsexualität,cite-ref-27[27] um die âgegengeschlechtlichenâ Anteile eines Menschen zu beschreiben, die er in der Figur des Parsifal von Richard Wagner verkĂśrpert sah. Transsexuell bedeutete fĂźr ihn alles nicht-männliche, auch BĂźcher, Politik, Wissenschaft und Kunst, was im Gegensatz stĂźnde zum Sexuellen â fĂźr Weininger gleichbedeutend mit dem Phallus. Weininger fĂźhrte in seinem Buch Geschlecht und Charakter an, dass auf Frauen nur das Sexuelle, nicht aber das Transsexuelle anziehend wirke.cite-ref-28[28] Weiningers Definitionen haben jedoch so gut wie nichts mit dem späteren Gebrauch des Begriffs Transsexualität zu tun.
Zeitweilig wurde David O. Cauldwell, der das Wort in seinem 1949 erschienenen Artikel Psychopathia transexualis aufgegriffen hatte,cite-ref-29[29] fälschlich als Urheber dieser Bezeichnung angesehen. Harry Benjamin, der Hirschfeld, dessen Publikationen und dessen Institut fßr Sexualwissenschaft kannte, griff die Bezeichnung 1953 in seinem Artikel Transvestism and Transsexualism im Zusammenhang mit dem Fall Christine Jorgensen wieder auf und etablierte ihn 1966 mit seinem Buch The Transsexual Phenomenon in der Sexualmedizin.cite-ref-6-11-1[11] In den Arbeiten von Cauldwell und Benjamin wurde die Bezeichnung Transsexualismus bereits in ihrer heutigen Bedeutung verwendet.
Transpersonen haben lange Zeit die Beschreibung als Transsexuelle ßbernommen und auch zur Selbstzuschreibung verwendet. Transsexualität hat jedoch nach heutigem Verständnis eine medizinischecite-ref-30[30] und pathologisierendecite-ref-25-31-0[31]cite-ref-0-32-0[32] Konnotation, die den anderen Dimensionen der Transgeschlechtlichkeit nicht gerecht wird.cite-ref-33[33]
Obwohl dies nicht beabsichtigt war, ist auch die fälschliche Assoziation mit Sexualität naheliegend.cite-ref-34[34]cite-ref-18-35-0[35] Aus diesen Grßnden wurde der Begriff etwa seit Beginn der 2000er-Jahre zunehmend als diskriminierend zurßckgewiesen und als Selbstbezeichnung abgelehnt.cite-ref-0-32-1[32]cite-ref-26-36-0[36] Nur Einzelpersonen bezeichnen sich selbst noch als transsexuell.cite-ref-27-37-0[37]
Manche Organisationen wie die Aktion Transsexualität und Menschenrechtcite-ref-38[38] oder transsexuelle Personen wie Buck Angel greifen bewusst den Begriff Transsexualität auf und grenzen ihn vom medizinisch-psychologischen Begriff Geschlechtsidentität bzw. neuen Begriffen wie transgender ab. Diese StrÜmung wird als Transsexuellenbewegung bezeichnet und unterscheidet sich von der allgemeinen Trans-Bewegung, die sich auf die Queer-Theorie beruft.cite-ref-39[39]
Die Ărztin und Historikerin Livia PrĂźll schrieb Anfang 2021, Transsexualität eigne sich nicht als Oberbegriff und transgender kĂśnne auch Personen beschreiben, die aus allen mĂśglichen GrĂźnden Geschlechtergrenzen Ăźberschreiten.cite-ref-40[40] Es wurde zwar vorgeschlagen, zwischen Transgender als Oberbegriff und Transsexualität fĂźr Formen mit persĂśnlichem Leidensdruck und damit Krankheitswert zu differenzieren,cite-ref-41[41] dies hat sich aber in der Praxis nicht durchgesetzt. Inzwischen wird der Begriff âTranssexualitätâ im deutschen wie auch englischen Sprachraum zunehmend durch inklusivere Begriffe wie âTransgenderâ oder âtrans*â ersetzt. Dennoch findet sich der Begriff weiterhin in einigen medizinischen Publikationen, insbesondere aus den 2010er-Jahren.
Transidentität, transident
Genau wie transgeschlechtlich ist transident ein umfassender Begriff, der auch Personen einschlieĂt, die keine medizinischen MaĂnahmen in Anspruch nehmen.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43] Die Bezeichnung wurde 1984 nach Aussagen der Psychotherapeutin Inoszka Prehm und Cornelia Kleincite-ref-44[44] (bis 1998 die 1. Vorsitzende des von 1985 bis 2000 bestehenden Vereins Transidentitas)cite-ref-45[45] von mehreren informellen Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe gleichen Namens aus KĂśln und Frankfurt am Main erdacht. Der Bekanntheitsgrad der Bezeichnung geht mit dieser VereinsgrĂźndung und den Tagungen des Vereins in Frankfurt am Main in den Folgejahren einher.
Ăbernommen wurde die Bezeichnung von zahlreichen weiteren Autoren,cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Selbsthilfegruppen und Vereinen.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] Im franzĂśsischen Sprachraum wird die Bezeichnung transidentitĂŠ genutzt, auf europäischer Ebene wird in englischsprachigen Publikationen auch trans identity verwendet.cite-ref-50[50]
Transgender, Transgeschlechtlich(keit)
Transgender ist ein Anglizismus, der in die deutsche Sprache Ăźbernommen wurde.
Der Psychiater John F. Oliven von der Columbia University gilt als der Erste, der diesen Begriff fachsprachlich verwendete, und zwar in seinem 1965 erschienenen Buch Sexual Hygiene and Pathology: A Manual for the Physician and the Professions.cite-ref-51[51] Die US-amerikanische Fernsehzeitschrift TV Guide verwendete 1970 erstmals den Begriff transgendered.cite-ref-52[52] Das Verständnis dieses Begriffs wurde in den 1970er-Jahren in den USA von Virginia Prince maĂgeblich geprägt; sie grĂźndete 1960 die Zeitschrift Transvestia und gab sie bis 1980 heraus. Sie bezeichnete sich selbst in dieser Zeit als heterosexueller Transvestit, um sich von homosexuellen und transsexuellen Personen abzugrenzen.cite-ref-53[53] Transgender sollte Menschen beschreiben, die die soziale Geschlechterrolle vollständig wechseln, allerdings anders als Transsexuelle (nach damaligem Verständnis) keine medizinischen Operationen anstreben.cite-ref-54[54]cite-ref-1-55-0[55]
Seit den 1980er-Jahren wird transgender zunehmend als genderpolitischer Oberbegriff gebraucht. Gleichzeitig und parallel mit der AblĂśsung der Bezeichnung Womenâs Studies (Frauenforschung) durch Gender Studies (Geschlechterforschung) setzte sich in den USA auch die Bezeichnung transgenderist durch. In Europa hat ein breiterer Ăśffentlicher Diskurs erst um 1995 begonnen.
Zwischen der Mitte der 1990er und den frĂźhen 2000er Jahren waren die hauptsächlich unter transgender als Ăberbegriff benutzten Bezeichnungen fĂźr männliche Identitäten Frau-zu-Mann (FzM) und fĂźr weibliche Mann-zu-Frau (MzF). Diese Bezeichnungen wurden abgelĂśst fĂźr männliche Identitäten von Transmann und fĂźr weibliche Transfrau. Der Online-Duden enthält transgender (und seine Kurzform trans) als undeklinierbares Adjektiv (transgender Personen) sowie seit Mitte 2021 auch als eigenständiges Substantiv (Transgender, der oder die).cite-ref-duden-transgender-56-0[56]cite-ref-duden-trans-57-0[57]
Als Gegenteil zu transgender wurde ab den 1990er-Jahren die Bezeichnung cisgender (lateinisch cis âdiesseitsâ und englisch gender âsoziales Geschlechtâ) in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht, später verkĂźrzt zu cis (Cis-Mann, Cis-Frau, Cis-Personen). Die Bezeichnung entwickelte sich aus dem Ausdruck Zissexualität, der 1991 vom Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch geprägt wurde und Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität mit ihrem biologischen Geschlecht Ăźbereinstimmt.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]
Trans, trans*
â
Hauptartikel
:
Gendersternchen #Trans-Sternchen
Die Verwendung des alleinstehenden Präfix trans entstand gegen Ende der 1990er-Jahre im englischen Sprachraum und hat sich dort neben transgender etabliert.cite-ref-61[61] Trans wird auch im deutschen Sprachraum verwendet, hier auch als Adjektiv. Die Verwendung von âtransâ ist ein Versuch, mĂśglichst inklusiv die Vielzahl der Begriffe (transgeschlechtlich, transgender, transident oder transsexuell) zusammenzufassen.cite-ref-1-55-1[55]
Das Adjektiv trans* verwendet das sogenannte Trans-Sternchen.cite-ref-bpb-2018-08-08-62-0[62] Dies dient der Verdeutlichung, dass es eine Vielzahl an Begriffen gibt, die fĂźr trans*-Erfahrungen genutzt werden, und kein einzelnes Wort alle abdecken kann.cite-ref-1-55-2[55]cite-ref-63[63] Das Trans-Sternchen kann folglich auch fĂźr andere Trans-Begriffe verwendet werden, beispielsweise: Trans*Männer, Trans*Frauen, Trans*Personen. Auch wenn der Begriff zu den jĂźngsten gehĂśrt, verwenden eine Vielzahl an Vereinen und Plattformen im deutschsprachigen Raum âtrans*â standardmäĂig.cite-ref-64[64]
Abgrenzungen zu anderen Begriffen
Transgeschlechtlichkeit wird gelegentlich mit verschiedenen Begriffen verwechselt, die von Transgeschlechtlichkeit zu trennen sind:
⢠Transgeschlechtlichkeit ist keine sexuelle Identität; Transmenschen kÜnnen die gesamte Bandbreite sexueller Präferenzen oder Orientierungen besitzen. Transgeschlechtlichkeit gehÜrt jedoch zu den Begriffen LGBT bzw. queer.
⢠Intergeschlechtliche Menschen sind nicht notwendigerweise trans. Während Intergeschlechtlichkeit ein biologisch uneindeutiges Geburtsgeschlecht bedeutet, hat Transgeschlechtlichkeit keine inhärente biologische oder medizinische Dimension. Die Intersex Society of North America und einige Intersex-Forscher halten an einer strikten Unterscheidung von Inter- und Transgeschlechtlichkeit fest, während andere Wissenschaftler und Aktivisten die Parallelen und Verknßpfungen betonen.cite-ref-3-65-0[65]
⢠Transvestitismus bezieht sich nur auf die geschlechtliche Assoziation der Kleidung einer Person, nicht aber auf deren eigentliche Geschlechtsidentität. Insbesondere unternehmen binäre Transpersonen, die sich entsprechend ihrem Geschlecht kleiden, keinen Transvestitismus. Ăhnliches gilt fĂźr Travestie.
Geschichte
Vorgeschichte
Antike
Das Phänomen von Menschen, welche die Geschlechtsrolle wechselten, ist seit der Antike bekannt. Da es in historischen Zeiten keine Trans-Identität gab, werden Begriffe wie Transgeschlechtlichkeit oder verwandte Konzepte wie Transvestitismus hier in der Regel nicht oder nur eingeschränkt in deskriptiver Absicht auf Handlungen angewendet, ohne Identitäten zu postulieren. Solche âTransgender-Handlungenâ waren kontextabhängig mit Bedeutungen versehen, die von heutigen abweichen und stellten auch die bestehenden Geschlechtergrenzen nicht in Frage.cite-ref-66[66]
Geschlechterrollenwechsel gab es in der Antike besonders in einem religiÜs-priesterlichen Kontext. Dies scheint darauf hinzudeuten, dass die extreme Diskrepanz zwischen Seele und KÜrper und eventuell auch das eindeutige Durchscheinen und die Oberherrschaft der Seele durch eine eigentlich gegensätzliche kÜrperliche Anlage bei manchen Betroffenen mit einem mysteriÜsen, gÜttlich-numinosen Wirken in Verbindung gebracht wurde.
In der griechischen Mythologie gibt es die Figur des Sehers Teiresias, der männlich geboren wurde, sieben Jahre lang als Frau und danach wieder als Mann lebte. Er sollte aufgrund seiner Erfahrungen die Streitfrage zwischen Zeus und Hera klären, wer bei der geschlechtlichen Liebe mehr Lust empfinde, was darauf hindeutet, dass Teiresias in beiden Geschlechtern sexuelle Erfahrungen gemacht hatte. Sein Urteil ärgerte Hera, die ihn erblinden lieĂ, woraufhin ihm Zeus eine siebenfache Lebensdauer verlieh.cite-ref-68[68]
Weitere Beispiele finden sich bei Religionen vorderasiatischer GÜttinnen wie etwa Astarte, Inanna und besonders Kybele. Dabei wurden auch einfache kÜrperliche Veränderungen wie Totalkastrationen im Jugendalter vorgenommen. Durch diese konnte nicht nur eine Vermännlichung verhindert werden, sondern bis zu einem gewissen Grade langfristig auch eine Verweiblichung stattfinden. Die Betroffenen lebten als Frauen (Kleidung, Frisur etc.). Die Religion der Kybele mit ihren teilweise geschlechtswechselnden Priesterinnen (Galloi) verbreitete sich in der Antike und Spätantike auch im rÜmischen Reich, also auch in Europa.cite-ref-ai-eecs-umich-edu-69-0[69] Allerdings wurde es unter Domitian zunächst unter Strafe gestellt, Sklaven zu kastrieren, unter Hadrian bei Todesstrafe verboten, Freie oder Unfreie zu kastrieren, auch nicht bei Einwilligung. Strafbedroht waren sowohl der durchfßhrende Arzt als auch der einwilligende Kastrierte. Die Regelung wurde bis in die Spätantike immer wieder durch kaiserliche Erlasse bestätigt, unter Iustinian war die Tat mit der Talion bedroht.cite-ref-70[70] Dennoch verbreiteten sich Kult und zugehÜriges Priesterwesen in der Spätantike.cite-ref-71[71]
Neuzeit (ca. 1500 bis 1900)
Ein historisch bekannter Fall ist der Chevalier dâĂon (1728â1810), ein franzĂśsischer Adliger, der in Frauenkleidern als Spion(in) Ludwigs XV. tätig war, anscheinend nie eine sexuelle Beziehung hatte und 1774 erklärte, eigentlich eine Frau zu sein, was auch nach einer medizinischen Begutachtung offiziell und amtlich bestätigt wurde. Nach dem Tode der Mademoiselle dâĂon entdeckte man jedoch durch eine Obduktion, dass sie doch kĂśrperlich männlich gewesen sei.cite-ref-4-72-0[72] Die Chevalière dâĂon inspirierte den Pionier der Sexualwissenschaften Havelock Ellis 1920 zur Bezeichnung Eonismus, noch bevor es die Bezeichnung Transgeschlechtlichkeit gab.
Auch James Barry (ca. 1789â1865), der sein ganzes Erwachsenenleben seit 1809 als Mann lebte, Medizin studierte und eine Karriere als Chirurg und Militärarzt machte, war geschlechtswechselnd.cite-ref-73[73] Erst nach seinem Tode wurde entdeckt, dass sein KĂśrper weiblich war. Nicht einmal sein Kollege und Hausarzt Major D. R. McKinnon hatte dies bemerkt,cite-ref-74[74] und Florence Nightingale fand Barry â[âŚ] das härteste GeschĂśpf, das mir jemals begegneteâ.cite-ref-75[75] FĂźr den Fall seines Todes hatte James Barry die Anweisung gegeben, dass sein Leichnam in den Bettlaken beerdigt werden solle, ohne weitere Untersuchung und ohne einbalsamiert zu werden.cite-ref-76[76]cite-ref-77[77]
Barrys Lebensgeschichte blieb nach seinem Tod weiter präsent und wurde immer wieder in Romanen, Biographien und Filmen neu erzählt. In der Mehrheit wurde er dabei als cross-dressende Frau interpretiert und nicht als Transmann.cite-ref-78[78] Während der Hochzeit der Zweiten Frauenbewegung wurde er als Frau dargestellt, der es durch das cross-dressing gelungen sei, die Barrieren der Gesellschaft zu durchbrechen und ein selbstbestimmtes Leben zu leben.cite-ref-79[79]
Trans-Geschichte ab dem 20. Jahrhundert
Die erste Transbewegung â Weimarer Republik
Im frßhen 20. Jahrhundert wurde der Umgang mit Transgeschlechtlichkeit sowohl durch die Entstehung einer ersten Transbewegung wie auch medizinische Fortschritte geprägt, es entwickelten sich operative Techniken und hormonelle Therapieansätze. Auch rechtliche Fragen rßckten mehr in den Fokus.
Mit der Prägung des Begriffes Transvestitismus 1910 und der Theorie der âZwischenstufenâ hatte Magnus Hirschfeld ein theoretisches GerĂźst bereitgestellt, das als GerĂźst zur Formulierung einer eigenen Identität dienen konnte. Eine genaue Unterscheidung zwischen Cross-Dressern, Transsexualität, Intersexualität und Transgendern im heutigen Sinn gab es noch nicht, sie wurden zeitgenĂśssisch unter dem Begriff Transvestiten zusammengefasst.
Seit Mitte der 1920er Jahre entwickelte sich aus der Homosexuellenbewegung eine eigene Bewegung von und fĂźr âCross-Dresserâ und âTranspersonenâ. In Zeitschriften erschienen bereits seit 1924 (Die Freundin) Artikel, Kolumnen und Beilagen, 1930 erschien mit Das 3. Geschlecht die erste Zeitschrift fĂźr Transvestiten, die in fĂźnf Ausgaben bis zu ihrer Einstellung 1932 sich Themen rund um den âTransvestitismusâ widmete. Auch entstanden eigene Klubs und Transvestitenabende, die sich speziell an diese Zielgruppe richteten. Ab 1928 grĂźndeten sich â meist unter dem Dach grĂśĂerer Organisationen wie dem Bund fĂźr Menschenrecht, dem Deutschen Freundschaftsverband oder dem Institut fĂźr Sexualwissenschaft â Transvestitengruppen, die sich der Anerkennung von Transvestiten in der Gesellschaft und der Beratung beim Umgang mit BehĂśrden widmeten. Viele dieser Gruppen blieben klein oder waren kurzlebig, eine der erfolgreichsten war die 1930 am Institut fĂźr Sexualwissenschaft gegrĂźndete Vereinigung DâEon. Wichtige Personen dieser Vereinigung waren Lotte Hahm, Maria Weis und Felix Abraham.cite-ref-hahm-80-0[80]
Erste Geschlechtsangleichungen
Auch Geschlechtsangleichungen mit befriedigenden Resultaten, zunächst bei MzF-Transgeschlechtlichkeit, wurden im 20. Jahrhundert mÜglich. Ab 1912 lassen sich genitalchirurgische Eingriffe nachweisen, bis Anfang der 1930er Jahre wurde rund ein Dutzend Fälle geschlechtsangleichender Operationen publiziert.cite-ref-29-81-0[81]
Die erste namentlich bekannte Transperson, die sich in mehreren Etappen zwischen 1922 und 1931 einer solchen Geschlechtsangleichung unterzog, war eine langjährige Patientin Magnus Hirschfelds und Hausangestellte am Berliner Institut fĂźr Sexualwissenschaft, Dora Richter (1892â1966). Ihre Operationen wurden u. a. von Ludwig Levy-Lenz und Erwin Gohrbandt (1890â1965) durchgefĂźhrt.cite-ref-20-82-0[82]cite-ref-21-83-0[83] Kurz darauf operiert wurde Charlotte Charlaque, die später in die USA auswanderte und als Aktivistin aktiv war.
Am bekanntesten ist der Fall der dänischen KĂźnstlerin Lili Elbe, die sich 1930/31 mehreren Operationen unterzog, zunächst in Berlin und später an der Frauenklinik in Dresden, wo an ihr von Kurt Warnekros auch weltweit erstmals eine Transplantation von EierstĂścken versucht wurde; sie starb an den Folgen dieser Operation.cite-ref-23-84-0[84] Lili Elbe war auf Grund von Untersuchungsberichten von Warnekros mĂśglicherweise intergeschlechtlich, also nicht unbedingt trans. Die Ăśffentliche Darstellung Vom Mann zur Frau â so die Titelseiten der Zeitungencite-ref-85[85] und der Originaltitel ihres Buches â, suggerieren Transgeschlechtlichkeit nach modernen MaĂstäben. Die angewandten Operationstechniken waren fĂźr die damalige Zeit eine beispielhafte Pionierleistung, wurden aber auf Grund der politischen Lage im Nazi-Deutschland zunächst nicht weiterentwickelt.
Trans in der NS-Zeit
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten Anfang 1933 wurde das Leben fĂźr Transpersonen nach der allmählichen Liberalisierung in der Weimarer Republik erneut schwieriger. Das Verhältnis des NS-Staats zu Transvestiten war jedoch uneinheitlich â so wurden einerseits weiterhin Transvestitenscheine ausgestellt und Namensänderungen gestattet und auch wenige geschlechtsangleichende Operationen sind belegt. Ein wenig bekannter Fall ist die Lebensgeschichte von Josef Wagner (â 1944), der im Mai 1924 in Heidelberg operiert worden war und in späteren Jahren bei der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division diente.cite-ref-86[86] Problematisch war es jedoch, dass Transvestiten sich einem generellen Verdacht auf Homosexualität ausgesetzt sahen, der Anlass zur Verfolgung bieten konnte. Auch sind Fälle belegt, in denen Transvestiten trotz Transvestitenscheins wegen âgroben Unfugsâ oder âErregung Ăśffentlichen Ărgernissesâ verhaftet wurden und in einzelnen Fällen zu Gefängnisstrafen oder Haft in Konzentrationslagern verurteilt wurden.cite-ref-29-81-1[81]
Trans in der Schweiz
1930 ersuchte Niklaus Businger, BĂźrger von Stans, bei seinem Heimatkanton eine offizielle Ănderung seines Geschlechtseintrags; er wollte weibliche Kleider tragen und einen weiblichen Namen. Nach Bescheid der BehĂśrden reichten jedoch die festgestellten ÂŤabnormen weiblichen Einschläge im seelischen EmpfindenÂť nicht aus fĂźr einen neuen Eintrag. Ein Jahr später hatte Businger sich die Hoden entfernen lassen und es wurde auch dank UnterstĂźtzung seines Psychiaters sowie nach juristischen Abklärungen beim Bund am 19. Oktober 1931 im Kanton Nidwalden die Geburtsurkunde abgeändert auf Margrit Businger, wobei aus dem ÂŤSohn des Alois und der Anna BusingerÂť deren Tochter wurde.cite-ref-87[87]
Trans nach dem Zweiten Weltkrieg
Seit den 1940er Jahren konnten Transmenschen in den USA eine Hormontherapie erhalten. Viele wurden ab dieser Zeit von Harry Benjamin betreut, einem Pionier auf diesem damals jungen Forschungsgebiet, der im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen Transpersonen nicht als psychisch Kranke ansah, sondern der Ansicht war, dass ihr kÜrperliches Geschlecht tatsächlich von ihrer Geschlechtsidentität abweicht.
Der Fall Christine Jorgensen, eine der ersten weltweit bekannten Transfrauen, machte auch in der Medizin auf das Thema aufmerksam. Harry Benjamin verĂśffentlichte einen bedeutenden Artikel, der den Begriff der âTranssexualitätâ endgĂźltig etablierte. Viele Transmenschen erkannten erstmals durch die Bekanntheit von Jorgensen selbst, dass sie trans sind. So erhielt Christian Hamburger â einer der behandelnden Ărzte von Jorgensen â innerhalb weniger Monate so zahlreiche Briefe, dass er darĂźber einen Artikel verĂśffentlichte:
âDiese persĂśnlichen Briefe von fast 500 zutiefst unglĂźcklichen Menschen hinterlassen einen Ăźberwältigenden Eindruck. Eine tragische Existenz reiht sich an die andere; sie schreien nach Hilfe und Verständnis. Es ist niederschmetternd zu realisieren, wie wenig zu ihrer Hilfe getan werden kann. Man empfindet es als Pflicht, an die medizinische Profession und an die verantwortliche Legislative zu appellieren: Tut Euer Bestes, um die Existenz dieser Mitmenschen zu erleichtern, die der MĂśglichkeiten eines harmonischen und glĂźcklichen Lebens beraubt sind â aber nicht durch ihre eigene Schuld.â
â
Christian Hamburger
:
Acta Endocrinologica.
Band 14, 1953
In den 1950er Jahren begann Georges Burou in Casablanca eine neue, bessere Operationsmethode fßr die Vaginoplastik zu entwickeln, die zum Vorbild fßr alle späteren Operateure bis zum heutigen Tag wurde. Berßhmt wurde er 1958 durch die FranzÜsin Coccinelle, einer seiner ersten Patientinnen, die im Cabaret Le Carrousel in Paris arbeitete. Coccinelle wurde durch ihre SchÜnheit zu einer Galionsfigur und Ikone vieler anderer Transmenschen.cite-ref-89[89]
Transgeschlechtliche wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren weiterhin als Psychotiker angesehen, zwangshospitalisiert und mit der Aversionstherapie und mit Elektroschocktherapie behandelt. Selbst Zwangstherapien mit Hormonen, die dem Geburtsgeschlecht entsprachen, wurden versucht (siehe etwa den Fall April Ashley). Erst 1966 richtete das Johns Hopkins Medical Center in Baltimore eine Gender Identity Clinic ein, in der seitdem auch geschlechtsangleichende MaĂnahmen durchgefĂźhrt wurden.cite-ref-90[90]
In Deutschland wurden erst wieder Ende der 1970er Jahre geschlechtsangleichende Operationen an Universitätskliniken u. a. in GieĂen von Jarrar und in Heidelberg/Mannheim von Wolf Eicher durchgefĂźhrt. Letzterer verĂśffentlichte 1984 auch die bis dahin bedeutendste deutschsprachige Monographie Transsexualismus, die sich umfassend mit dem Thema beschäftigte.cite-ref-91[91]
Transmenschen waren von Anfang an ein Teil der queeren Subkultur, die sich insbesondere in den Vereinigten Staaten bis Ende der 1960er-Jahre entwickelt hatte. Demzufolge waren sie auch Bestandteil der modernen LGBT-Protestbewegung, die sich ausgehend von Stonewall 1969 entwickelten. Unter den wichtigsten Aufständischen von Stonewall selbst waren Transpersonen wie Sylvia Riviera.
Die rechtliche Situation von Transmenschen in vielen Ländern war lange Zeit prekär. Lange Zeit war es â und ist es bis heute in vielen anderen Ländern, siehe Gesetzliche Regelungen â ihnen nicht mĂśglich, Papiere auf ihren (neuen) Namen ausgestellt zu bekommen und auch nicht den Geburtseintrag zu ändern. Diese Situation änderte sich erst nach und nach, zuerst in skandinavischen Ländern wie Schweden, 1981 in Deutschland mit dem sogenannten Transsexuellengesetz; in England aber beispielsweise erst 2004 mit dem Gender Recognition Act.
Etwa seit dem Jahr 2000 wird es in mehr und mehr Ländern mĂśglich, dass minderjährige jugendliche Patienten legal hormonelle MaĂnahmen bekommen kĂśnnen, durch die eine fĂźr die Betroffenen fatale kĂśrperliche Entwicklung in die falsche (d. h. biologisch vorgegebene) Richtung unterbunden werden kann (siehe etwa Kim Petras und Jazz Jennings).
In Deutschland gab es seit 1968 eine erste Selbsthilfegruppe, den Arbeitskreis TS â Interessengemeinschaft fĂźr Transsexuelle und Transvestiten in Hamburg unter der Leitung von Gert Christian SĂźdel.cite-ref-92[92]cite-ref-mh-stiftung-2020-09-02-93-0[93] Namentlich bekannt und Ăśffentlichkeitswirksam war der 1985 gegrĂźndete Verein Transidentitas e. V. (bis 1995) in Frankfurt am Main. Seit ca. 1990 ist das Interesse der Medien am Thema Transgeschlechtlichkeit gestiegen, und es wird auch mittlerweile auf eine annähernd diskriminierungsfreie Weise behandelt.
21. Jahrhundert
Durch den Fall der IT-Pionierin Lynn Conway, die sich aus Angst vor einem Outing 1999 selber outete und daraufhin mit dem Aufbau einer ausfĂźhrlichen Informations-Website im Internet Ăźber Transgeschlechtlichkeit begann, wurde zum ersten Mal sowohl den Betroffenen selber als auch der allgemeinen Ăffentlichkeit ein leichterer Zugang zu Informationen Ăźber das Thema ermĂśglicht. Mittlerweile ist Conways Website zu groĂen Teilen in andere Sprachen (auch Deutsch) Ăźbersetzt und enthält neben umfangreichem Informationsmaterial auch viele Biographien und Bilder anderer Transmenschen.cite-ref-24-94-0[94]
In den Jahren um und nach 2000 verbesserte sich auch mit der Verbreitung des Internet die Information der weiteren Ăffentlichkeit Ăźber Transmenschen. Transpersonen waren schon immer Teil der modernen LGBT-Bewegung gewesen, und in dieser Zeit zeigten sich ihre Erfolge auf politischer Ebene, da sich die rechtliche Situation fĂźr Transgeschlechtliche in vielen Ländern, insbesondere in Europa, verbesserte. Durch die neuen VernetzungsmĂśglichkeiten des Internet bildeten sich neue Untergruppen der Transidentität, die vorher kaum bzw. nur verstreut existiert hatten, z. B. nicht-binär und genderqueer, Xenogeschlechter u. a. (vergleiche die Geschichte der Asexualität).
Trotzdem gibt es nach wie vor viel Unverständnis und Feindschaft gegenĂźber Transmenschen (Transphobie). So wurden beispielsweise allein im Jahr 2012 in 60 Ländern 238 Transmenschen ermordet â die Dunkelziffer ist jedoch vermutlich hĂśher, da es auch Länder gibt, die solche Fälle nicht registrieren.cite-ref-95[95]
Nachdem sich in den vorherigen Jahrzehnten die Situation fĂźr Transmenschen weltweit verbessert hatte, nahm in den letzten Jahren insbesondere in den USA und GroĂbritannien die Transphobie wieder stark zu. Beispielsweise wurden in GroĂbritannien im Jahr 2021 Ăźber 2600 Gewalttaten gegen Transmenschen registriertcite-ref-8-13-1[13], im folgenden Jahr stieg diese Zahl um Ăźber 50 % auf 4355cite-ref-96[96]. In den Vereinigten Staaten arbeiten die Regierungen verschiedener konservativer Staaten allein im Jahr 2023 (Stand Juli) an Ăźber fĂźnfhundert transfeindlichen GesetzesentwĂźrfen, und fast 80 wurden bereits verabschiedet,cite-ref-97[97] ein mehr als fĂźnffacher Anstieg zum Vorjahr.
Gemeinschaft
Transmenschen bilden (auch statistisch gesehen) eine wesentliche Untergruppierung der LGBT-Bewegung. In der heutigen Zeit ist das Internet ein wesentlicher Faktor fĂźr den Austausch und die Vernetzung von Transpersonen, wodurch sich eine eigene Subkultur gebildet hat. Die Ăbergänge zur queeren Internet-Subkultur sind dabei flieĂend. Um die Interessen von Transmenschen zu vertreten, existieren allein im deutschen Sprachraum eine Vielzahl an Vereinen und Interessensverbänden.
Zur Transrepräsentation existieren mehrere Symbole, die insbesondere bei Pride-Paraden genutzt werden, um die Transgemeinschaft und ihre Mitglieder zu repräsentieren. Die prävalente Transflagge zeigt angelehnt an die Form der Regenbogenflagge fĂźnf Streifen, davon die äuĂeren hellblau, die inneren rosa und den mittleren weiĂ. Dabei repräsentieren die beiden Farben jeweils Männlichkeit (hellblau) bzw. Weiblichkeit (rosa). WeiĂ wiederum repräsentiert die Transition und diejenigen, die kein Geschlecht bzw. ein nichtbinäres Geschlecht haben.cite-ref-98[98] Die Flagge wurde 1999 von Monica Helms entworfen und von ihr seitdem auf Demonstrationen in den USA gezeigt.cite-ref-99[99] Sie hat sich, genauso wie die allgemeinere Kombination der drei Farben rosa, weiĂ und hellblau, ab 2013 als Standardsymbol fĂźr Transgeschlechtlichkeit etabliert. Es existieren weitere Flaggen, die allerdings keine so weite Verbreitung erreicht haben wie Helmsâ Design.
Das Geschlechtssymbol fĂźr Transgeschlechtlichkeit ist eine Kombination aus Venus- und Marssymbol, die als weibliches bzw. männliches Geschlechtssymbol genutzt werden. Der zusätzliche âArmâ links oben repräsentiert als Kombination des Marspfeils und Venus-Kreuzes nichtbinäre Geschlechter als Teil der Transgeschlechtlichkeit.
Insbesondere im englischen, aber auch im deutschen Sprachraum hat sich (Ăźber die Identitätsbegriffe hinaus) spezifischer Jargon entwickelt, um die Lebenswirklichkeit von Transpersonen besser beschreiben zu kĂśnnen. Ein prominentes Beispiel ist engl. egg,cite-ref-100[100] was genutzt wird, um eine Transperson zu beschreiben, die von sich selbst noch nicht weiĂ (bzw. wusste), dass sie trans ist (entsprechend der Metapher ist sie ânoch nicht geschlĂźpftâ).
Innerhalb der Philosophie hat sich die Trans-Philosophie als Feld gebildet, die sich dem Phänomen trans aus verschiedenen Perspektiven nähert, z. B. epistemologisch oder phänomenologisch. Die Trans-Philosophie versteht sich ßberwiegend als kritisches Projekt im Sinne der kritische Theorie.cite-ref-3-65-1[65]
Trans und Kinderwunsch
Die meisten Kinder in sogenannten Regenbogenfamilien stammen entweder aus Vorbeziehungen oder sind Kinder lesbischer Mßtter. Aber unabhängig vom biologischen Geschlecht und der sexuellen Orientierung ist der Wunsch nach eigenen Kindern nicht davon abhängig und das Beratungsangebot fßr Familienkonstellationen aller Art nimmt zu.cite-ref-101[101]
Als einer der ersten Transmänner in Deutschland berichtete Daniel Masch Mitte 2021 der Tageszeitung taz, wie er Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit seines Sohnes erlebt hat. Er vertritt die Ansicht, es solle mehr allgemeine Akzeptanz dafßr geben, dass der Wunsch nach eigenen Kindern fßr Transgeschlechtliche genau so normal wie fßr andere Menschen auch sei. Als die Frage aufkam, ob er Testosteron nehmen solle, folgte er dem Rat seines Arztes, damit zu warten, bis der Kinderwunsch entschieden sei, um dem Kind nicht zu schaden. Mit seinem Partner, der auch Vater des gemeinsamen Sohnes ist, war er damals bereits zusammen. Seine eigene Transition schob Masch zu Gunsten des Kinderwunsches auf, den er und sein Partner hatten.
Masch, der als Transberater arbeitet,cite-ref-102[102]cite-ref-taz-2021-06-20-103-0[103] fĂźhlte sich auch als schwangere Person nicht als Frau, und auch sein Sohn sieht ihn nicht als âMutterâ. Obwohl er seine Schwangerschaft zunächst als belastend erlebt hatte, weil sein KĂśrper âgefĂźhlt in die falsche Richtungâ ging, gab er im Interview an, seit der Schwangerschaft ein besseres Verhältnis zu seinem KĂśrper zu haben als vorher. Erst nachdem er seinen Sohn ein Jahr gestillt hatte, begann er mit der Hormonbehandlung. Aus seiner Sicht sei es schĂśn, wenn Elternschaft insgesamt etwas offener gedacht werden wĂźrde, damit es nicht nur mit Kindern leichter fallen wĂźrde, an andere Eltern Anschluss zu finden, sondern auch, damit die Kinder einander mehr Toleranz entgegenbrächten.cite-ref-taz-2021-06-20-103-1[103]
AuĂerhalb des Westens
Grundsätzlich gilt, dass sexuelle Identitäten wie âheterosexuellâ, âschwulâ, âlesbischâ und eben auch âtransâ als Phänomen der westlichen Moderne definiert sind, daher lassen sie sich auf nicht-westliche Formen von Sexualität und Geschlecht nicht anwenden.cite-ref-spec-14-2[14]cite-ref-laut-104-0[104]
Viele Kulturen kennen jedoch rituelle Wechsel der Geschlechterrolle, die manchmal dauerhaft, manchmal von zeitweiliger Dauer sind. Etliche Kulturen haben spezifische soziale Rollen fĂźr Menschen, die eine ihrem kĂśrperlichen Geschlecht entsprechende Rolle nicht einnehmen kĂśnnen oder wollen.
Solche Fälle von Geschlechtswechseln sind z. B. bei nord- und ostasiatischen Schamanen u. a. in Sibirien, Tibet und Korea und bei Indianern Amerikas bekannt und waren dort bis ins 20. Jahrhundert einigermaĂen gesellschaftlich akzeptiert.cite-ref-105[105]cite-ref-106[106] Mit männlichen KĂśrpermerkmalen geborene Kinder durften in manchen indianischen Kulturen als Mädchen aufwachsen, verrichteten ausschlieĂlich weibliche Tätigkeiten und konnten später sogar Zweit- oder Drittfrau eines Mannes werden.cite-ref-107[107] Die Grenzen zu effeminiertem gleichgeschlechtlichem Lieben sind dabei jedoch nicht eindeutig zu ziehen.
Dieses Phänomen wurde von vielen Reisenden und Forschern seit dem 16. Jahrhundert berichtet, zuerst von Cabeça de Vaca 1555.cite-ref-magnus-hirschfeld-1910-108-0[108] Manchmal wurden die betreffenden Personen von Europäern fĂźr âHermaphroditenâ gehalten (zuerst 1586 von Laudonnière); genauere Untersuchungen ergaben jedoch laut Hirschfeld (1910) normalerweise den Befund, dass es sich um âeffeminierte Männerâ handelte.cite-ref-109[109] Wied meinte nach einer Amerika-Reise 1832â1834, dass das Phänomen fĂźr âdie meisten Nationen des inneren Nordamerikaâ erwiesen sei. Hirschfeld (1910) nennt u. a. die Stämme der Sioux und Illinois, Indianer in Florida, Louisiana, âYucatanâ und im sĂźdlichen Brasilien.cite-ref-110[110] Es gab bei den Indianern umgekehrt auch biologisch weibliche Menschen, die als Mann, Jäger und Krieger lebten.cite-ref-magnus-hirschfeld-1910-108-1[108]
Beispiele fĂźr Ethnien mit mĂśglichem Wechsel der Geschlechterrolle:
⢠Two-Spirits nordamerikanischer Indianerstämme
⢠Eingeschworene Jungfrauen in Albanien, die diese Rolle oft aufgrund von Sachzwängen einnehmen
⢠Faʝafafine in Samoa, die in diese Rolle erzogen werden
Häufigkeit
Es gibt eine Reihe von Studien aus verschiedenen Ländern zur Prävalenz von Transgeschlechtlichkeit. Die unterschiedlichen Studien kommen auf Prozentzahlen, die bis 0,7 % der BevÜlkerung reichen, was etwa 10 % der queeren Menschen entspricht. Je jßnger die Studie ist, desto hÜher liegt die Häufigkeit. Dies ist zumindest um das Jahr 2000 herum auch im Definitionswechsel der Transgeschlechtlichkeit selbst zu begrßnden (siehe Begriffe).
Eine Studie des Williams Institute vom Juni 2016 zur Frage, wie viele Erwachsene sich in den USA als Transgender identifizieren, ergab einen BevÜlkerungsanteil von 0,6 %.cite-ref-111[111] Das Meinungsforschungsinstitut Gallup fßhrt jährlich eine Befragung hinsichtlich der Identifikation mit den Bezeichnungen LGBT (Lesbian, gay, bisexual, transgender) durch und ermittelte einen Anteil fßr transgender Personen in den USA von 1,3 % im Jahr 2024.cite-ref-gallup1-112-0[112] Die Deutsche Gesellschaft fßr Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) geht von einem ähnlichen BevÜlkerungsanteil in Deutschland aus.cite-ref-113[113]cite-ref-114[114]cite-ref-gallup2-115-0[115]
Stephenne Rhodes u. a. sprechen in der Präsentation vor dem LGBT Health Summit 2008 in Bristol von stark zunehmender Prävalenz (14 % pro Jahr) und 2009 auf dem Symposium der World Professional Association for Transgender Health (WPATH) in Oslo davon, dass das Durchschnittsalter beim Geschlechtsrollenwechsel seit dem Jahr 2000 etwa konstant bei 38 Jahren liege.cite-ref-gires-116-0[116]
Die Häufigkeit in Deutschland lässt sich aus den Fallzahlen des Bundesministeriums der Justiz und fĂźr Verbraucherschutz ableiten. Die Geschäftsbelastung bei Gerichten und Staatsanwaltschaften im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit weist fĂźr den Zeitraum 1981 bis 2023 etwa 42.752 Verfahren nach dem Transsexuellengesetz aus.cite-ref-bja-117-0[117] Die Fallzahlen waren bis zur AnkĂźndigung eines Selbstbestimmungsgesetzes in 2022cite-ref-sbgg-entwurf-118-0[118] steigend und lagen 2023 bei 1922 (2022: 2687, 2021: 3232, 2020: 2687, 2019: 2582, 2018: 2614, 2017: 2085, 2016: 1868)cite-ref-119[119]cite-ref-120[120]. Dies schlieĂt allerdings solche Transpersonen nicht ein, die keine rechtliche Personenstandsänderung vornehmen kĂśnnen oder wollen, sowie bis zum April 2020cite-ref-121[121] keine nicht-binären Personen.
Im FrĂźhjahr 2020 bejahten 2,1 % von 50.300 Studenten in den USA die Frage: âIdentifizierst du dich als transgender?â (1.055 Personen); 97,9 % antworteten mit âneinâ. Insgesamt 3,7 % oder 1.844 Studenten gaben an, nichtbinär zu sein; 57 % von ihnen hatten transgender bejaht (Details). Die Online-Befragung wurde als jährliche Studie von den beiden US-amerikanischen studentischen Gesundheitsorganisationen American College Health Association (ACHC) und National College Health Assessment (NCHA) durchgefĂźhrt und hatte eine RĂźcklaufquote von 14 %.cite-ref-acha-ncha-2020-06-16-122-0[122]
Der alljährlich durchgefßhrte Gender Census ist eine seit 2015 nicht repräsentativ unabhängig organisierte Umfrage, die sich an Transpersonen und insbesondere nichtbinäre Menschen richtet. Sie hatte 2024 bei stetig wachsender Beteiligungszahl weltweit ßber 48.000 Teilnehmer,cite-ref-123[123] davon 2000 aus Deutschland.cite-ref-124[124]
Das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer StÜrungen erwähnte in seiner vierten Version von 1994 (DSM-IV), dass in den USA etwa einer von 30.000 Männern und eine von 100.000 Frauen eine geschlechtsangleichende Operation anstrebe (insges. 0,0015 %). Eine andere Abschätzung der Prävalenz von medizinischen Behandlungen bei Transpersonen stammt von der Amsterdamer Gender Clinic: Die Daten, die ßber mehr als vier Jahrzehnte gesammelt wurden, sprechen von einem unter 10.000 Männern oder einer unter 30.000 Frauen (0,005 %).cite-ref-125[125]
Die dgti geht dabei von einem Verhältnis von 1:1 Transfrauen zu Transmännern aus, da sich historisch die Zahlen aus Untersuchungen auf 1:1 zubewegt. Ăltere Erhebungen gaben noch ein Verhältnis von einem Transmann auf sechs Transfrauen an, später wurden es 1:4, dann 1:2, jĂźngste Untersuchungen bis zu 1,5:1 in den unteren Altersgruppen. Ein Drittel aller Transpersonen fallen in die Gruppe nicht-binärer oder agender Menschen.cite-ref-126[126]
PersĂśnlicher Verlauf
Ursachen und Entwicklung
â
Hauptartikel
:
Geschlechtsidentität
Die Ursachen fĂźr die Existenz transgeschlechtlicher Menschen, egal wie weit oder eng die Definition dieser gefasst wird, sind nicht bekannt. Zu jeder bis dato postulierten Theorie lassen sich etliche Gegenbeispiele finden, sowohl unter Transmenschen, auf die die postulierte Ursache nicht zutrifft, als auch unter Cismenschen, auf die sie zutrifft. Eine Metastudie aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass eine Reihe an schwach korrelierenden Faktoren existiert, deren Relevanz unklar ist.cite-ref-127[127]
Die Suche nach einer Ursache fĂźr Transgeschlechtlichkeit stĂźtzt sich sowohl auf die Annahme, dass eine eindeutige Ursache ausfindig gemacht werden kann, als auch, dass Transgeschlechtlichkeit eine vom âNormalzustandâ Cisgeschlechtlichkeit abweichende Kondition darstellt.cite-ref-16-128-0[128]cite-ref-17-129-0[129] Es wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass bei der Findung einer eindeutigen pränatalen Ursache manche Eltern transgeschlechtliche Kinder explizit abtreiben lassen wĂźrden. Dies stĂźtzt sich auf die Beobachtung, dass seit der Entwicklung von pränatalen Geschlechtsfeststellungsmethoden mittels Ultraschall in einigen Ländern Mädchen gezielt abgetrieben wurden und werden.cite-ref-130[130]
Obwohl beispielsweise Harry Benjamin annahm, dass es sich bei Transgeschlechtlichkeit um eine Sonderform der Intergeschlechtlichkeit handelt, entwickelte sich in den 1970ern die Theorie, es gebe grundsätzlich psychische Ursachen fßr Transgeschlechtlichkeit. Mittlerweile stßtzen mehrere Untersuchungen, die auf kÜrperliche Ursachen oder Prädispositionen hindeuten, die ursprßngliche Vermutung Benjamins. Diese wird durch von Zhou und Kollegen publizierte Daten gestßtzt.cite-ref-131[131]cite-ref-132[132] Sie fanden Hinweise darauf, dass in der pränatalen Entwicklungsphase dieselben Sexualhormone zu unterschiedlichen Zeitabschnitten zum einen die Morphologie der Genitalien und zum anderen die Morphologie sowie die Funktion des Gehirns beeinflussen. An der Universität São Paulocite-ref-133[133] konnten unterschiedliche Ausprägungen im Gehirn von Transfrauen im Vergleich zu cisgeschlechtlichen Untersuchten nachgewiesen werden, allerdings ist es laut anderen Untersuchungen zweifelhaft, ob Unterschiede im Gehirn fßr Transgeschlechtlichkeit mitverantwortlich sind.cite-ref-134[134] Es gibt Anzeichen fßr eine genetische Disposition,cite-ref-135[135]cite-ref-136[136] andererseits zeigen Untersuchungen an eineiigen Zwillingen, dass diese nicht bestimmend sein kann.cite-ref-137[137]
In jedem Fall ist die frĂźhe Selbsterkenntnis von Transkindern und Jugendlichen ein Indiz dafĂźr, dass auĂer angeborenen Faktoren auch frĂźhkindliche Erfahrungen wesentlich sein kĂśnnten. Nach einer Studie kĂśnnen Kinder durchschnittlich in einem Alter von 8,5 Jahren ihre Geschlechtsidentität zuordnen.cite-ref-olson-2015-138-0[138] In der Studie mit Ăźber 100 Transkindern und -Jugendlichen lag die Bandbreite der Selbsterkenntnis in einem Alter zwischen 4 und 13 Jahren.
Sozialer Druck
Die Geschlechtszuweisung erfolgt bereits vor oder bei der Geburt, wenn Hebamme oder Arzt das Geschlecht anhand äuĂerer oder chromosomaler Merkmale einordnen. Diese Zuweisung geschieht einmalig. Ein lebenslang immer wieder stattfindender Prozess ist dagegen die Geschlechtszuschreibung durch andere, die häufig gerade nicht an den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern an anderen Informationen wie Gang, Stimme, Gesichtsausdruck, KĂśrperhaltung und Ausstrahlung festgemacht wird.cite-ref-139[139]
Zahlreiche Transmenschen entwickeln bereits im Vorschulalter das GefĂźhl, anders zu sein, kĂśnnen dieses oft aber noch nicht konkret zuordnen. Andere berichten, dass sie bereits im Vorschulalter ein Bewusstsein dafĂźr entwickelten, entgegen ihrem kĂśrperlichen Geschlecht kein Mädchen oder kein Junge zu sein.cite-ref-18-35-1[35] Gelegentlich tritt dieses Bewusstsein erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter auf. Ein Teil der Kinder äuĂert sich bereits sehr frĂźh, vĂśllig natĂźrlich und selbstverständlich ihrer Geschlechtsidentität entsprechend. Einen wichtigen Einfluss hat in diesem Falle das Verhalten der Umgebung (Familie, Freunde, später MitschĂźler, Lehrer u. a.), im Sinne einer Ablehnung, Akzeptanz oder Ambivalenz.
Je weitgehender die besondere Eigenart der Kinder von ihrer Umgebung akzeptiert wird, desto normaler und unbelasteter kÜnnen sie sich entwickeln. In der modernen Gesellschaft kommt es jedoch erst seit etwa dem Jahre 2000 immer Üfter vor, dass Eltern ihr Transkind sich ganz frei entfalten lassen und es ab der Pubertät bei einer Angleichung unterstßtzen. Ein prominentes Beispiel dafßr aus jßngerer Zeit ist Rebekah Brusehoff.cite-ref-140[140] Mit der ßbrigen Umwelt (Schule, Nachbarn, andere Kinder etc.) kann es jedoch trotzdem Probleme geben.
In den immer noch weitaus meisten Fällen versucht die Umwelt mehr oder weniger intensiv, das Kind seinem zugewiesenen Geschlecht entsprechend zu erziehen und ihm die entsprechende Rolle aufzuzwingen.cite-ref-141[141] Die betroffenen Kinder versuchen meist, die Erwartungen und Forderungen ihrer Umgebung so weit wie mĂśglich zu erfĂźllen, das heiĂt, die dem kĂśrperlichen Geschlecht entsprechende Geschlechterrolle zu leben. Der auf Transmenschen ausgeĂźbte Druck durch die Gesellschaft und durch den eigenen KĂśrper und somit der von ihnen empfundene psychische Druck nimmt kontinuierlich mit der Zeit zu, besonders während der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter. Da dieser Druck auf AMAB-Transmenschen im Allgemeinen grĂśĂer ist als bei AFAB-Transmenschen, verläuft die typische Entwicklung bei diesen etwas unterschiedlich. In der modernen westlichen Welt, besonders seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, ist die weibliche Rolle aufgrund feministischer Errungenschaften weniger eng definiert, was es transmaskulinen Menschen erleichtert, einen abweichenden Geschlechtsausdruck anzunehmen. So kommt es etwa vor, dass sie von klein auf ohne Probleme in Hosen und mit kurzem Haarschnitt herumlaufen dĂźrfen. Auch andere männliche Verhaltensweisen kĂśnnen oft ungehindert in den Alltag integriert werden, da dies bei Frauen eher akzeptiert wird als weibliche Verhaltensweisen bei Männern.
Entsprechend existiert bei transfemininen Personen ein verstärkter sozialer Druck, sich einer enger gefassten männlichen Rolle anzupassen. Geschieht dies nicht, sind Mobbing und andere Diskriminierungen (siehe auch Diskriminierung und Benachteiligung) durch die AuĂenwelt gerade im Falle von transfemininen Menschen häufig und kĂśnnen auch besonders hart ausfallen. Viele Transmenschen, besonders im jungen Alter, sind in der Folge suizidalcite-ref-142[142] bis hin zum Selbstmordversuch oder SelbstverstĂźmmelungsversuchen. Neben psychosomatischen Krankheiten und verschiedenen anderen psychischen Problemen sind auch vor allem Depressionen vorherrschend, die jedoch stark von der Akzeptanz im Umfeld abhängen.cite-ref-olson-20152-143-0[143]
Transition
Mit Transition wird der Ăbergang von einem Geschlecht in ein anderes bezeichnet.cite-ref-19-144-0[144] Menschen, die eine Transition unternehmen, âstartenâ bei ihrem Geburtsgeschlecht, in dem sie in der Regel seit der frĂźhen Kindheit leben, und âendenâ bei einem biologischen und sozialen Geschlecht, das ihrer Geschlechtsidentität am besten entspricht und das ihre Geschlechtsdysphorie so gut wie mĂśglich auflĂśst. Dabei sind âStartâ und âEndeâ selten eindeutig festzulegen, und in der Regel dauert eine vollständige Transition Jahre. Nicht alle Transmenschen unternehmen eine Transition oder streben eine solche an, und der Umfang der Transition ist individuell äuĂerst unterschiedlich.
Die Aspekte einer Transition kĂśnnen in etwa folgendermaĂen unterteilt werden:
⢠Die soziale Transition umfasst den Prozess der geschlechtlichen Anerkennung im Alltagshandeln.cite-ref-19-144-1[144] Dazu gehĂśrt zunächst ein Coming-out im sozialen Umfeld, z. B. gegenĂźber Freunden, Familie, am Arbeitsplatz oder in der Schule. Viele Transmenschen wählen einen neuen Rufnamen, dessen geschlechtliche Assoziation (oder das Fehlen derselben) zu ihrem Geschlecht besser passt als der alte Name. Der alte Name, auch Deadname (englisch âToter Nameâ) genannt, soll nun nicht mehr verwendet werden. Dasselbe gilt fĂźr die Wahl der Pronomen, mit denen die Person angesprochen werden mĂśchte, und sonstige geschlechtsbezogene Sprache (Artikel, Substantivformen, geschlechtsspezifische Beschreibungen und Begriffe). Alle diese Ănderungen mĂźssen dem sozialen Umfeld erläutert werden.
⢠Die juristische Transition besteht in der Ănderung von Namen und Geschlechtseintrag im Personenstandsregister sowie der dafĂźr nĂśtigen Schritte wie eventuell Gerichtsverfahren. Je nach lokaler rechtlicher Situation (siehe Gesetzliche Regelungen) ist eine rechtliche Transition mehr oder weniger einfach bzw. unmĂśglich.
⢠Die medizinische Transition besteht in der medizinischen Angleichung des KĂśrpers an das Geschlecht. Siehe hierzu Geschlechtsangleichende MaĂnahme und den Abschnitt Medizin.
Viele Transmenschen streben es an, die verschiedenen Transitionsprozesse mÜglichst gleichzeitig durchzufßhren, auch um Diskriminierung zu vermeiden. Gelegentlich kann es nach einer Transition dazu kommen, dass Betroffene den Prozess wieder rßckgängig machen mÜchten. In diesem Fall spricht man von Detransition.
Aktuelle Situation von Transmenschen
Die rechtliche Anerkennung des Geschlechts und des neuen Namens von Transpersonen sowie der Zugang zu geschlechtsangleichender medizinischer Behandlung waren und sind Gegenstand politischer Aktivitäten. Fragen nach den rechtlichen und gesellschaftlichen Belangen der Transmenschen gehĂśren somit zur Geschlechterpolitik. In den letzten Jahren sind Debatten um Transpersonen in vielen westlichen Ländern fĂźr die Geschlechterpolitik oder die Politik im Allgemeinen bestimmend geworden.cite-ref-145[145] Insbesondere in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten KĂśnigreich versuchen konservative, teilweise christliche Gruppen, durch gezielte Legislatur die Rechte von Transpersonen einzuschränken und ihren Zugang zu medizinischen und rechtlichen MaĂnahmen zu reduzieren.cite-ref-146[146]cite-ref-147[147]cite-ref-7-12-1[12]
Gesetzliche Regelungen
Die meisten europäischen Staaten, darunter Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Luxemburg, Ăsterreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien und Vereinigtes KĂśnigreich sowie einige auĂereuropäische Staaten ermĂśglichen es transgeschlechtlichen Menschen, den Vornamen oder die in den Personenstandsregistern eingetragene Geschlechtsangabe an ihr korrektes Geschlecht anzupassen. Die entsprechenden Regelungen wurden dabei meist erst nach entsprechenden Entscheidungen durch die europäischen Gerichte etabliertcite-ref-148[148] und erfordern teilweise die Zustimmung eines Gerichts oder weitere Schritte.
In seiner Resolution 2048 vom 22. April 2015cite-ref-149[149] hat der Europarat die Mitgliedsstaaten unter anderem dazu aufgefordert, die Verfahren zur Namens- und Personenstandsänderung zu vereinfachen und auf zu diesem Zweck verlangte Nachweise der geistigen Gesundheit zu verzichten sowie alle zwingend vorausgesetzten medizinischen MaĂnahmen, die etwa einer Zwangssterilisation gleichkommen kĂśnnen, abzuschaffen, Abschnitt 6.2.2. der Resolution:
⌠Sterilisierung und andere zwingend vorgeschriebene medizinische MaĂnahmen abzuschaffen, einschlieĂlich der Diagnose geistiger Gesundheit als notwendige rechtliche Voraussetzung zur Anerkennung der geschlechtlichen Identität in Gesetzen, die das Verfahren zur Ănderung des Namens und des eingetragenen Geschlechts (Personenstand) regeln.
Länder mit Selbstbestimmungsgesetz
In den folgenden Ländern gelten Selbstbestimmungsgesetze ohne Begutachtung und per Bekundung im Standesamt fßr die rechtliche Anerkennung der geschlechtlichen Identität (Personenstands- und Namensänderung):
⢠Argentinien (2012)cite-ref-150[150]
⢠Deutschland (seit 1. November 2024, siehe unten)
Deutschland
â
Hauptartikel
:
Transsexuellengesetz
und
Gesetz Ăźber die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag
In der Bundesrepublik Deutschland legte das Transsexuellengesetz (TSG) von 1981 bis Oktober 2024 die Voraussetzungen fest, unter denen Transmenschen eine Ănderung des Vornamens oder des Geschlechtseintrags beantragen konnten. Die ursprĂźngliche gesetzliche Regelung war dabei durch eine Vielzahl von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zugunsten der Antragsteller modifiziert und in wesentlichen Teilen fĂźr verfassungswidrig erklärt worden.cite-ref-11-162-0[162]cite-ref-163[163] Grundsätzlich wurde zwischen der Ănderung des Vornamens (kleine LĂśsung) und der Ănderung des Personenstandes (groĂe LĂśsung) unterschieden. Die Verfahren fanden vor den zuständigen Amtsgerichten statt. Auf Antrag konnte Prozesskostenhilfe gewährt werden.
Bernd Meyenburg, Karin Renter-Schmidt und Gunter Schmidt empfahlen 2015 auf Grund einer Auswertung von 670 Gutachten nach dem Transsexuellengesetz, dieses durch ein Verfahren ohne Begutachtung und mit Karenzzeit zu ersetzen.cite-ref-bernd-meyenburg-2015-164-0[164] Seit 2021cite-ref-13-165-0[165] gab es Bestrebungen der Bundesregierung, das TSG durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen und damit den Forderungen des Bundesverfassungsgerichts nachzukommen.
Seit Mai 2023 lag ein Referentenentwurf fĂźr das Gesetz Ăźber die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag vor, der nach Detailänderungen am 23. August als Regierungsentwurf beschlossencite-ref-2-166-0[166]cite-ref-167[167] und nach weiteren Ănderungen am 12. April 2024 vom Bundestag und am 17. Mai 2024 vom Bundesratcite-ref-5-10-2[10] angenommen wurde. Das Gesetz trat zum 1. November 2024 in Kraft und lĂśste das TSG ab.
Ăsterreich
Der Transsexuellenerlass von 1996,cite-ref-oesterreich-transsexuellenerlass-168-0[168] als Nachfolger des Transsexuellenerlass von 1983, wurde im Juli 2006 vom Ăśsterreichischen Verfassungsgerichtshof als verfassungswidrig aufgehoben.
Der Transsexuellenerlass des Bundesministeriums fĂźr Inneres (BMI) legte eine Reihe von Voraussetzungen fest, bei deren Vorliegen die PersonenstandsbehĂśrde eine Ănderung der im Geburtenbuch eingetragenen Geschlechtszuordnung und/oder eine Vornamensänderung auf dem Verwaltungsweg vorzunehmen hatte. Der Erlass basierte auf § 16 des Ăśsterreichischen Personenstandsgesetzes (ĂśPStG), wonach die PersonenstandsbehĂśrde eine Beurkundung zu ändern hat, wenn sie nach der Eintragung unrichtig geworden ist.
Anlassfall fĂźr die verfassungsrechtliche Aufhebung des Erlasses war, dass eine verheiratete Transfrau eine Geschlechtsanpassung hatte vornehmen lassen und nun auch ihr Geschlecht im Geburtenbuch korrigieren lassen wollte. Der Erlass sah jedoch verfassungswidrig vor, dass nur unverheiratete Personen ihr Geschlecht im Geburtenbuch ändern lassen durften. Deswegen wurden verheiratete Transmenschen nach geschlechtsanpassender Operation gezwungen, ihre aufrechte, gĂźltig geschlossene Ehe scheiden zu lassen, bevor ihnen die Geschlechtszuordnung im Geburtenbuch eingetragen wurde. (Die Scheidung erfolgte mit allen damit verbundenen nachteiligen Folgen fĂźr die beiden Eheleute und deren Kinder, die damit zu Scheidungskindern gemacht wurden.) Vermeintliche Grundlage dazu war § 44 ABGB, wonach eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts bestehen dĂźrfte. Der VfGH hat jedoch in seinem Erkenntnis zur Aufhebung des TS-Erlasses zu Recht erkannt, dass eine aufrechte Ehe eine Ănderung des Geschlechts im Geburtenbuch nicht behindern kann, da hierfĂźr nur das tatsächliche Geschlecht maĂgeblich sei. Dieses hänge aber nicht von irgendwelchen Rechtsbeziehungen, somit auch nicht von einer bestehenden Ehe ab. Selbst wenn sich die Ehe durch die personenstandsrechtliche Geschlechtsänderung einer der beiden Eheleute zu einer (nicht zugelassenen) Homosexuellen-Ehe wandelt, hätte dies keinen Einfluss auf das Geschlecht des BeschwerdefĂźhrers und dĂźrfte daher kein Hindernis fĂźr eine Eintragung im Geburtenbuch sein. Ob eine danach weiter bestehende Ehe rechtskonform wäre, wollte der VfGH ausdrĂźcklich nicht beurteilen, da dies kein Gegenstand des Verfahrens war.
Eine Ănderung des Vornamens ist nur entsprechend den im Namensänderungsgesetz (NĂG)cite-ref-oesterreich-naeg-169-0[169] festgehaltenen allgemeinen Vorschriften zur Namensänderung mĂśglich: Laut § 2 Abs 2 Z 3 i. V. m. § 3 Abs 1 Z 7 NĂG i. V. m. âNamensänderungserlassâ (Erl. BMI 8.6.2988, 10.649/61-IV/4/88cite-ref-oesterreich-naeerlass-170-0[170]) muss zumindest der erste Vorname dem Geschlecht des Antragstellers entsprechen, wobei den Erläuterungen zufolge weder biologische noch psychologische Kriterien eine Rolle spielen, sondern ausschlieĂlich der Eintrag im Geburtenbuch maĂgeblich ist (siehe auch Zeyringer im Abschnitt Literatur). Transmenschen, die die Geschlechtszuordnung im Geburtenbuch nicht ändern lassen kĂśnnen oder wollen, kĂśnnen demnach auch weiterhin keinen ersten Vornamen wählen, der ihrer Geschlechtsidentität entspricht.cite-ref-oesterreich-vornamenspetition-171-0[171] Mit dem NĂG 1988 und zugehĂśrigem Namensänderungserlass samt Erläuterungen, wurde die Namensänderung auf einen geschlechtsneutralen Vornamen mĂśglich: âZu § 3 Z 5 des Gesetzes [âŚ] Aus der bei der parlamentarischen Behandlung der Regierungsvorlage vorgenommenen Streichung der Worte âim Inlandâ im Zusammenhang mit der Gebräuchlichkeit als Vorname kann die Absicht des Gesetzgebers erschlossen werden, auch Vornamen zuzulassen, die nur im Ausland gebräuchlich sind.â (Namensänderungserlass). Die BehĂśrden legen und legten diese Bestimmung des § 3 Z 5 NĂG (i.d.g.F. 1995: § 3 Abs 1 Z 7 NĂG) korrekt aus, wodurch in der Praxis seit NĂG 1988, neben mehreren hundert anderen Vornamen, zum Beispiel Carmen, Eve, Gaby, Simone oder das in Italien als männlich geltende Andrea als geschlechtsneutral akzeptiert werden (mĂźssen).
Der Verwaltungsgerichtshof hat in seinem Erkenntnis vom 27. Februar 2009 festgestellt, âdass ein schwerwiegender operativer Eingriff, wie etwa die [âŚ] Entfernung der primären Geschlechtsmerkmale, keine notwendige Voraussetzung fĂźr eine deutliche Annäherung an das äuĂere Erscheinungsbild des anderen Geschlechtsâcite-ref-172[172] und damit der Ănderung des Personenstands ist. Damit ist eine geschlechtsangleichende Operation keine zwingende Voraussetzung mehr. Dies bestätigte auch der Verfassungsgerichtshof in seinem Erkenntnis vom 3. Dezember 2009 und zitierte den Transsexuellenerlass von 1983: Einer Ănderung des Geschlechtseintrags steht nichts im Weg, wenn zumindest âeine deutliche Annäherung an das äuĂere Erscheinungsbild des andere[n] Geschlechtes vorliegt und [âŚ] mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen ist, dass sich am ZugehĂśrigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nichts mehr ändern wirdâ.cite-ref-173[173]
Seit 5. September 2016 befasste sich das Landesverwaltungsgericht OberĂśsterreich mit dem, vom Standesamt Steyr abgelehnten, Anliegen des Linzer Transgeschlechtlichen Alex JĂźrgen âXâ als dritte Geschlechtsausprägung in Geburtenbuch (und Reisepass) eingetragen zu bekommen.cite-ref-174[174] Mit Erkenntnis vom 5. Oktober 2016 wies das Gericht das Begehren des Antragstellers ab.cite-ref-175[175]
Schweiz
Nach der Rechtsprechung konnte schon frĂźher auf gerichtlichen Antrag nach einer Geschlechtsanpassung Vorname und Geschlechtsangabe in den Zivilstandsregistern berichtigt werden. Die Berichtigung durfte, obwohl damals die gleichgeschlechtliche Ehe noch nicht gesetzlich vorgesehen war, gemäà Bundesgericht nicht dazu fĂźhren, dass eine Ehe von Amtes wegen aufgelĂśst wurde. Das ZĂźrcher Obergericht entschied im ersten Quartal 2011, dass ein operativer Eingriff als Voraussetzung zur Personenstandsangleichung und Vornamensänderung die PersĂśnlichkeitsrechte verletze.cite-ref-176[176] Im 3. Quartal 2012 entschied das Regionalgericht Bern-Mittelland mit dem Entscheid CIV 12 1217 JAC, dass fĂźr die Ănderung des Personenstandes weder eine Hormontherapie noch ein operativer Eingriff vonnĂśten sei, entscheidend seien entsprechende psychologische Gutachten.cite-ref-177[177]
Seit dem 1. Januar 2022 kann man das Geschlecht und den Vornamen im Personenstandsregister rasch und einfach ändern. Dafßr soll ohne vorgängige medizinische Untersuchungen oder andere Voraussetzungen eine Erklärung gegenßber dem Zivilstandsamt genßgen. Die Erklärung kann von jeder Person abgegeben werden, die innerlich fest davon ßberzeugt ist, nicht dem im Personenstandsregister eingetragenen Geschlecht zuzugehÜren.cite-ref-178[178]
Vereinigtes KĂśnigreich
Seit 2004 existiert im Vereinigten KĂśnigreich der sogenannte Gender Recognition Act, der es Transmenschen ermĂśglicht, ihren Geburtseintrag auch ohne Voraussetzung chirurgischer oder anderer kĂśrperlicher MaĂnahmen (siehe geschlechtsangleichende MaĂnahme) rĂźckwirkend korrigieren zu lassen. Voraussetzung ist unter anderem, dass die betroffene Person zum Zeitpunkt des Antrags mindestens zwei Jahre im angestrebten Geschlecht gelebt hatcite-ref-179[179] und in der Regel Ăźber zwei Reports nachweist, dass sie eine Gender-Dysphorie hat oder hatte.cite-ref-180[180] Ein juristischer Geschlechtswechsel wird verheirateten Transmenschen jedoch nicht gestattet.cite-ref-181[181] Die Abgabe von Pubertätsblockern an Kinder wurde 2024 beendet, da die Auswirkungen als zu wenig erforscht gälten.cite-ref-182[182]
Frankreich
Seit dem 17. Mai 2009 darf Transgeschlechtlichkeit in Frankreich per Dekret nicht mehr als psychische StÜrung und somit nicht mehr als GeschlechtsidentitätsstÜrung bezeichnet werden. Auch die Klassifizierung im ICD-10 unter F64.0 wird abgelehnt.cite-ref-183[183] Frankreich sieht in der Deutung der Transgeschlechtlichkeit als psychische StÜrung eine Stigmatisierung, die zur Diskriminierung von Transmenschen beiträgt. Die Vornamensänderung fßr Transgeschlechtliche erfolgt in Frankreich im Standesamt oder vor Gericht ohne Gutachtenpflicht und ohne Operationszwang. Die Personenstandsänderung erfolgt weiterhin vor Gericht wird aber ebenso wie die Vornamensänderung nicht von Gutachten oder Operationen abhängig gemacht.cite-ref-184[184]
Vereinigte Staaten
Die rechtliche Situation von Transmenschen in den Vereinigten Staaten ist stark von der Rechtslage der einzelnen Staaten abhängig. In mehreren Staaten ist es in den letzten Jahren schwierig geworden, legale Hormontherapien oder Personenstandsänderungen zu erreichen.cite-ref-185[185]
In Florida wurde im Mai 2023 ein Gesetz verabschiedet, das den Zugang zu Hormonen sowohl fĂźr Erwachsene als auch Kinder beschränkt; zudem mĂźssen beispielsweise Lehrer die Geburtsnamen und Pronomen des biologischen Geburtsgeschlechts verwenden.cite-ref-186[186]cite-ref-187[187] Ăhnliche Gesetze existieren auch in anderen Staaten bzw. sind in Arbeit.
US-Präsident Donald Trump kĂźndigte vor seiner Wahl im November 2024 an, dass es die offizielle Politik seiner Regierung sein werde, âdass es nur zwei Geschlechter gibt, männlich und weiblichâ. Er wolle nach seiner AmtsĂźbernahme den âTransgender-Irrsinnâ stoppen und Transgender aus Militär und Schulen verbannen.cite-ref-188[188]
Andere Länder
Im Iran ist Transgeschlechtlichkeit legal (siehe Transsexualität im Iran). Geschlechtsangleichende Operationen werden vom Staat finanziell unterstĂźtzt und die Geburtsurkunde kann anschlieĂend entsprechend angepasst werden.cite-ref-189[189]
Diskriminierung und Benachteiligung
â
Hauptartikel
:
Transphobie
Siehe auch
:
Queerfeindlichkeit
Das Abweichen von den jeweilig vorgegebenen Geschlechterrollen wird Ăźblicherweise sozial, häufig auch strafrechtlich oder religiĂśs negativ sanktioniert.cite-ref-14-21-1[21] Viele Transpersonen sind beispielsweise am Arbeitsplatz und bei Arztbesuchen Diskriminierung ausgesetzt.cite-ref-191[191]cite-ref-192[192] In vielen Ländern sind sie nicht gesetzlich vor Diskriminierung geschĂźtzt. In Deutschland sind sie ânach heute ganz Ăźberwiegender Ansichtâ durch den Grundgesetz-Artikel 3 (Absatz 3, Satz 1) geschĂźtzt, obwohl sexuelle Identität oder Geschlechtsidentität dort nicht explizit in der Liste der Diskriminierungsverbote erwähnt wird.cite-ref-193[193] 2020 erfasste das Bundesamt fĂźr Justiz Ăźber 800 Straftaten âbetreffend die sexuelle Orientierung/Identitätâ, was auch transphobe Straftaten einschlieĂt.cite-ref-194[194]
Gesellschaftliche und medizinische Diskriminierungen werden als Hauptgrund fßr die insgesamt schlechtere Gesundheit von Transpersonen angefßhrt; sie leiden häufiger als Cispersonen an Sucht, Infektionen, psychischen StÜrungen sowie Krebs. AngststÜrungen, Depression und Suizidalität sind deutlich häufiger.cite-ref-198[198] Anfang 2021 ergab eine Studie des Deutschen Instituts fßr Wirtschaftsforschung (DIW), dass sich 37 % der Transmenschen in Deutschland sehr oft oder oft sozial isoliert fßhlen (im Vergleich zu 11 % der befragten LGBT-Personen und 5 % der restlichen Befragten); 40 % der trans Personen leiden unter AngststÜrungen. Es wird darauf hingewiesen, dass die Forschung zum Wohlbefinden von noch in den Anfängen stecke; auch fßr die Politik bestehe dringender Handlungsbedarf, um Diskriminierung und Ausgrenzung zu verhindern.cite-ref-199[199]cite-ref-200[200]
Aktionstage
⢠31. März: Internationaler Tag fßr trans* Sichtbarkeit (International Transgender Day of Visibility: TDoV), seit 2009 begangen zur Demonstration der Leistungen und Erfolge von transgender und gender-nonkonformen Menschen.cite-ref-201[201]cite-ref-202[202]cite-ref-203[203]
⢠17. Mai: Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia: IDAHOBIT), seit 2005 begangen, um auf die Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität hinzuweisen.cite-ref-204[204]
⢠14. Juli: Internationaler Tag der nichtbinären Menschen (International Non-Binary Peopleâs Day),cite-ref-205[205]cite-ref-metropoljournal-2021-07-13-206-0[206] zeitlich genau zwischen dem Internationalen Frauentag im März und dem Internationalen Männertag im November.
⢠11. Oktober: Coming-out-Tag (Coming Out Day: COD), Aktionstag zum Thema âComing-outâ.cite-ref-207[207]
⢠20. November: Gedenktag fßr die Opfer von Transphobie (Transgender Day of Remembrance: TDoR), 1998 begrßndet von Gwendolyn Ann Smith, um der Opfer transphober Gewalt zu gedenken.cite-ref-br-2021-11-20-208-0[208]cite-ref-209[209]
Siehe auch
:
Internationale LGBT-Aktionstage
Transgeschlechtlichkeit und die modernen christlichen Kirchen
Ein Beispiel fĂźr organisierte Transphobie ist das Verhalten der katholischen Kirche: 1991 entschied die Kongregation fĂźr die Glaubenslehre, dass eine kirchliche Trauung von Transmenschen nicht mĂśglich sei. Zudem ist es den Betroffenen auch untersagt, in einen religiĂśsen Orden einzutreten oder Priester zu werden. 2002 ordnete die Kongregation an, dass nach einer operativen Geschlechtsumwandlung der im Taufbuch ursprĂźnglich eingetragene geschlechtsspezifische Name nicht verändert werden dĂźrfe, am Rand der Taufeintragung solle eine Notiz Ăźber die Operation angebracht werden, âsofern die Operation im staatlichen Rechtsbereich anerkannt wordenâ sei.cite-ref-210[210] Eine nicht geoutete Transperson kann ohne entsprechende MaĂnahmen aber durchaus heiraten oder in ein Kloster eintreten. Im Zusammenhang mit einem konkreten Fall im spanischen CĂĄdiz wurde Transgeschlechtlichen sogar Recht und Fähigkeit abgesprochen, Taufpate oder -patin zu werden.cite-ref-211[211]
Andererseits hat Papst Franziskus in einer inoffiziellen Audienz im Januar 2015 Diego Neria LejĂĄrraga empfangen, der in seiner Heimatgemeinde schwerem Mobbing ausgesetzt und von einem Mitglied der Kirche als âTochter des Teufelsâ beschimpft worden war â fĂźr den männlichen LejĂĄrraga eine doppelte Beleidigung und Verunglimpfung.cite-ref-212[212]cite-ref-213[213]cite-ref-214[214] Papst Franziskus hatte LejĂĄrraga zuvor bereits telefonisch kontaktiert und ihm gesagt, Gott liebe â⌠alle seine Kinder, wie sie sind. Du bist ein Sohn Gottes und die Kirche liebt dich und nimmt dich an, wie du bist.âcite-ref-215[215]
Der Papst erklärte mittlerweile Ăśffentlich, Transmenschen dĂźrften nicht ausgegrenzt werden, sondern âvielmehr von den Gemeinden integriert, begleitet und ânäher zu Gottâ gefĂźhrt werden. (âŚ) Genau das wĂźrde Jesus heutzutage tun.âcite-ref-216[216] Der Vatikan hat zu den ĂuĂerungen des Papstes keine offizielle Stellungnahme abgegeben.
In der evangelischen Kirche sind viele Landeskirchen deutlich akzeptierender.cite-ref-217[217] Es sind mehrere Fälle offen lebender trans Pfarrerinnen bekannt, beispielsweise Christine Bergmann, Dorothea ZwĂślfer und Elke SpĂśrkel. In Zusammenarbeit dieser Pfarrerinnen, trans Christen und der Deutschen Gesellschaft fĂźr Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit mit mehreren Leitungen evangelischer Landeskirchen entstand das Projekt âReformation fĂźr Alle*â.cite-ref-218[218] In Folge dieses Projekts entstand die BroschĂźre âZum Bilde Gottes geschaffen â Transsexualität in der Kircheâcite-ref-219[219] der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Medizin
Transmenschen leiden häufig darunter, dass ihr KĂśrper nicht ihrem eigentlichen Geschlecht entspricht. Viele Transmenschen haben aufgrund dieses Leidens das BedĂźrfnis, den KĂśrper mittels diverser medizinischer Methoden an das richtige Geschlecht anzupassen. Transgeschlechtlichkeit ist keine Krankheit, sondern eine Normvariantecite-ref-28-220-0[220], eine Inkongruenz zwischen Geschlecht und kĂśrperlichen Attributen, die durch medizinische Behandlung und Begleitung vermindert werden kann.cite-ref-9-221-0[221]cite-ref-10-222-0[222] Die zwei groĂen Gruppen an Therapien sind Hormonbehandlungen und geschlechtsangleichende Operationen. Nicht alle Transmenschen (nur etwa 43 bis 50 Prozentcite-ref-223[223]) haben allerdings das BedĂźrfnis nach chirurgischen MaĂnahmen, und der Wunsch nach solchen definiert nicht das Trans-Sein oder Nicht-Sein.cite-ref-17-129-1[129] AuĂerdem kĂśnnen manche Transpersonen aus medizinischen GrĂźnden, beispielsweise chronischen Krankheiten, keine Geschlechtsangleichung vornehmen lassen.
Transgeschlechtlichkeit wurde besonders unter der alten Bezeichnung âTranssexualitätâ lange Zeit als Krankheit gewertet und als solche behandelt.cite-ref-landessozialgericht-stuttgart-urteil-vom-27-november-1981-az-l-4-kr-483-80-224-0[224] Auch Klassifikationssysteme wie der ICD-10 und DSM-IV fĂźhrten Transgeschlechtlichkeit (unter anderen Namen) als Krankheit. Inzwischen ist diese Ansicht wissenschaftlichcite-ref-225[225]cite-ref-9-221-1[221]cite-ref-28-220-1[220] wie auch rechtlichcite-ref-226[226]cite-ref-227[227]cite-ref-228[228] Ăźberholt, die daraus entstehende Pathologisierung und Stigmatisierung von Transmenschen wird von der Medizin wie auch ihren neueren Klassifikationssystemen nicht mehr vorgenommen.cite-ref-229[229] Häufigkeit und Schwere psychosomatischer Erkrankungen und Depressionen liegen nicht in Transgeschlechtlichkeit an sich begrĂźndet, sondern hängen in hohem MaĂ vom individuellen Umfeld ab. Psychische Krankheiten oder StĂśrungen, die zu einer unter Umständen fälschlichen Selbsteinschätzung als trans fĂźhren, sind selten.cite-ref-230[230]
Durch geschlechtsangleichende MaĂnahmen wird der entstandene Leidensdruck in der Regel aufgehoben, Folgeerscheinungen wie Depressionen oder Suizidalität verschwinden Ăźberwiegend.cite-ref-10-222-1[222]cite-ref-231[231] Die häufig vorgebrachte Behauptung, geschlechtsangleichenden MaĂnahmen hätten langfristig negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Transpersonen,cite-ref-232[232]cite-ref-233[233] ist wissenschaftlich nicht belegt und teilweise widerlegt.cite-ref-234[234]cite-ref-30-235-0[235] So gaben bei einer wissenschaftlichen Befragung im Jahr 2014 im Vereinigten KĂśnigreich 67 % aller Befragten, die noch keine geschlechtsangleichende MaĂnahmen vorgenommen hatten, an, Suizidgedanken zu haben. Nach medizinischen, geschlechtsangleichenden MaĂnahmen gaben nur noch 3 % an, unter Suizidgedanken zu leiden.cite-ref-30-235-1[235]
In GroĂbritannien wurde 2022 die Behandlungsrichtlinie des National Health Service dahingehend abgeändert, dass der Einsatz von Pubertätsblockern auf klinische Studien beschränkt wurde. Als Grund wurden fehlende Erkenntnisse zu der Behandlung mit Pubertätsblockern genannt und ein primär psychotherapeutischer Ansatz empfohlen.cite-ref-236[236] Der Deutsche Ărztetag forderte 2024, den Einsatz von Pubertätsblockern und Hormontherapien stärker abzuwägen.cite-ref-237[237]
Diagnostik
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Hauptartikel
:
Geschlechtsinkongruenz #Klassifikation und Diagnose
Da die Folgen chirurgischer geschlechtsangleichender MaĂnahmen irreversibel und weitreichend sind, ist eine sorgfältige Diagnostik unumgänglich. Die Diagnose fĂźr das Vorliegen einer Geschlechtsinkongruenz und die Notwendigkeit geschlechtsangleichender MaĂnahmen werden im Rahmen eines individuellen diagnostischen und begleitendem Prozesses geklärt. Eine S3-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit wurde im Oktober 2018 von der Deutschen Gesellschaft fĂźr Sexualforschung (DGfS) herausgegeben.cite-ref-238[238] Laut dieser dient die Diagnose dazu, den Zugang zu weiteren psychotherapeutischen und medizinischen Behandlungen zu ermĂśglichen. Die Diagnose basiert in der Regel auf der Selbstbeschreibung des Behandlungsuchenden. Alltagserprobung und begleitende Psychotherapie sind nicht mehr als Voraussetzungen fĂźr geschlechtsangleichende MaĂnahmen vorgesehen.
Spezifisch fĂźr die chirurgische Geschlechtsangleichung erschien 2025 die erste S2k-Leitlinie der AWMF zu Chirurgischen MaĂnahmen bei Geschlechtsinkongruenz. Sie listet die einzelnen MaĂnahmen, die Voraussetzungen sowie die empfohlene DurchfĂźhrung auf.cite-ref-239[239]
In einer frĂźheren Version der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) existierte die Diagnose âTranssexualismusâ (F64.0), definiert als der âWunsch, als AngehĂśriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werdenâ.cite-ref-12-240-0[240] Die 11. Auflage (ICD-11, verĂśffentlicht 2018, international gĂźltig seit 2022) enthält die Diagnose âGeschlechtsinkongruenzâ (HA60), die unter âZustände mit Bezug zu sexueller Gesundheitâ eingeordnet ist und damit nicht mehr den Charakter einer psychischen StĂśrung hat.cite-ref-2-166-1[166]cite-ref-02-241-0[241]
Die 5. Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5, gĂźltig seit 2013, revidiert 2022) fĂźhrt die Diagnose âGeschlechtsdysphorieâ als psychische StĂśrung. Dieser bezeichnet den anhaltenden Leidensdruck, den Betroffene aufgrund einer Geschlechtsinkongruenz erleben. Im Vergleich zum DSM-IV wurde der Begriff der âGeschlechtsidentitätsstĂśrungâ als Konsequenz der Rekonzeptualisierung aufgegeben und es werden erstmals auch Geschlechter jenseits von männlich und weiblich berĂźcksichtigt, ohne diese notwendig zu pathologisieren.cite-ref-22-242-0[242]
MaĂnahmen
â
Hauptartikel
:
Geschlechtsangleichende MaĂnahme
Die medizinischen MaĂnahmen dienen dazu, den KĂśrper so weit als mĂśglich dem Geschlecht anzugleichen; die immer noch häufige Bezeichnung Geschlechtsumwandlung ist schon von daher nicht korrekt. AuĂerdem lassen sich einige Geschlechtsmerkmale wie das Erbgut der (äuĂerlich unsichtbaren) Chromosomen nicht umwandeln.
Aktuell mĂśgliche MaĂnahmen bestehen aus Hormonersatztherapie, geschlechtsangleichenden Operationen und gegebenenfalls weiteren MaĂnahmen wie beispielsweise der dauerhaften Entfernung des Bartes durch eine Epilation und chirurgischer Gesichtsfeminisierung (facial feminization surgery, FFS).
Bei der Hormontherapie, bzw. Hormonersatztherapie (HET, auch englisch HRT, hormone replacement therapy) ist es wichtig, die dauerhafte kÜrperliche und psychische Verträglichkeit der hormonellen Behandlung und ihrer Auswirkungen zu prßfen. Der Patient muss umfassend ßber deren Folgen aufgeklärt und darßber informiert werden, dass die hormonelle Behandlung lebenslang erfolgen muss, um Schäden durch hormonelle Defizite zu vermeiden.
Bei der Hormonbehandlung werden die Sexualhormone des kĂśrperlichen Zielgeschlechts zugefĂźhrt und die Bildung der kĂśrpereigenen Sexualhormone unterdrĂźckt. Sie leitet eine Art zweite Pubertät und damit die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale ein. Bei Transfrauen wird die Hormonbehandlung oft durch eine Behandlung mit Antiandrogenen ergänzt. Bei jugendlichen Transpersonen wird oftmals zunächst der Beginn der ersten Pubertät durch pubertätsverzĂśgernde Hormone (Pubertätsblocker) aufgeschoben, was einen reversiblen Vorgang darstellt. Damit wird Zeit fĂźr die endgĂźltige Entscheidung fĂźr oder gegen weitere medizinische MaĂnahmen zu gewinnen, bevor kĂśrperliche Veränderungen einsetzen. Pubertätsblocker sind reversibel.cite-ref-243[243]
Bei Transfrauen ändert sich die kĂśrperliche Fettverteilung in eine weibliche Richtung, u. a. im Gesicht, an HĂźften und GesäĂ. Die Betroffenen bekommen BrĂźste (Gynäkomastie, individuell je nach Anlage sehr unterschiedlich). Die KĂśrperbehaarung kann etwas zurĂźckgehen; eine vorhandene starke KĂśrperbehaarung wird jedoch von der Hormonbehandlung meist nur wenig beeinflusst und verlangt normalerweise nach einer weiteren Behandlung durch Epilation; ähnliches gilt fĂźr den Bartwuchs. Testosteronbedingter Haarausfall wird gestoppt, kann sich teilweise auch zurĂźckbilden, eine bereits vorhandene Glatzenbildung (bei älteren Menschen) kann jedoch nicht durch Hormone rĂźckgängig gemacht werden. Die Hoden schrumpfen, die Produktion von Sperma bleibt aus (Hodenatrophie). Die Libido wird normalerweise schwächer, auĂer in Fällen, wo die Betroffenen die Hormonmedikation bewusst eher niedrig halten. Langfristig bildet sich die Muskulatur zurĂźck und die kĂśrperliche Belastbarkeit sinkt.
Entsprechend wird bei Transmännern die Haut grobporiger, das Fett verlagert sich von der HĂźfte hin zur Taille, die kĂśrperliche Leistungsfähigkeit nimmt in Folge weiteren Muskelaufbaus zu. Bartwuchs setzt ein, die KĂśrperbehaarung kann zunehmen (je nach individueller Anlage sehr unterschiedlich) und die Patienten bekommen einen Stimmbruch. Die Klitoris wird grĂśĂer, und das Testosteron bewirkt ein Ende der Regelblutungen und häufig eine Intensivierung der Libido. Langfristig kommt es bei manchen Transmännern auch zu einer männlichen Glatzenbildung.
Vollständig rßckgängig machen lassen sich die Auswirkungen (oder Schädigungen) der ersten biologischen Pubertät nicht. Eine Umwandlung oder Ausbildung der primären Geschlechtsorgane ist ausgeschlossen. Zum Vermeiden gesundheitlicher Schäden durch Hormonmangel ist eine lebenslange HET erforderlich. Bei fachgerechter medizinischer Betreuung sind unerwßnschte Nebenwirkungen einer HET selten.cite-ref-244[244] Da bei einer geschlechtsangleichenden Operation die kÜrpereigenen Keimdrßsen entfernt werden, fßhrt diese zwangsläufig zur Unfruchtbarkeit.
Trans in der Kunst
Filme und Serien
â
Hauptartikel
:
Liste von Filmen mit Bezug auf Transgender-Themen
und
Liste von Filmen mit Bezug auf nichtbinäre Geschlechter
Einer der ersten deutschen Filme, der sich ausdrßcklich dem Transgender-Thema widmet, ist Vor Transsexuellen wird gewarnt (Transexual Menace), eine TV- und Kino-Dokumentation aus dem Jahr 1996 von Rosa von Praunheim ßber die gleichnamige US-amerikanische Aktionsgruppe transidenter Menschen.cite-ref-245[245] Der franzÜsische Spielfilm Mein Leben in Rosarot von Alain Berliner ist 1997 einer der ersten Filme zum Thema Transgender-Kinder.cite-ref-246[246] 2000 schrieb und inszenierte Michael Verhoeven den Fernsehfilm Enthßllung einer Ehe, der das damals noch tabuisierte Thema dem breiteren Fernsehpublikum näherbrachte; dafßr gewann er 2001 den Robert-GeisendÜrfer-Preis. Inzwischen werden auch hÜher budgetierte Produktionen ßber Transgender-Themen gedreht, wie der US-amerikanische Musical-Film Hedwig and the Angry Inch von John Cameron Mitchell 2001,cite-ref-247[247] das Roadmovie Transamerica von Duncan Tucker 2005cite-ref-248[248] oder die US-amerikanisch-britische Filmbiografie The Danish Girl von Tom Hooper 2015.cite-ref-249[249] Es existieren auch eine Reihe an Produktionen, die Trans-Themen im Subtext enthalten, wie beispielsweise Matrix (1999).cite-ref-250[250]cite-ref-251[251]cite-ref-252[252]cite-ref-253[253]
Musik
Transgeschlechtliche Kunstschaffende
⢠Romy Haag (* 1951), deutsche Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin und ehemalige Nachtclubbesitzerin
⢠Kim Petras (* 1992), deutsche Sängerin und Songwriterin, lebt in Los Angeles
⢠Anohni (* 1971), britische Sängerin und Songwriterin
⢠Wendy Carlos (* 1939), US-amerikanische Komponistin und Elektronikmusikerin
⢠Die Wachowski-Schwestern, Filmemacherinnen und Schafferinnen der Matrix-Filmreihe
⢠Elliot Page (* 1987), kanadischer Schauspieler
Literatur
⢠1928: Orlando â Roman von Virginia Woolf
⢠2004: Luna â Jugendroman von Julie Anne Peters
⢠2016: George â Jugendroman von Alex Gino
⢠2016: If I Was Your Girl â Jugendroman von Meredith Russo
⢠2016: Teddy Tilly â Kinderbuch von Jessica Walton (Sauerländer, ISBN 978-3-7373-5430-1)
⢠2019: Nennt mich Nathan â Comic von Catherine Castro und Quentin Zuttion (aus dem FranzĂśsischen; Splitter, ISBN 978-3-96219-305-8).
⢠2019: Someone new â Liebesroman von Laura Kneidl
⢠2020: Ich bin Linus; Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war â autobiographisches Werk von Linus Giese
Computerspiele
Ausgewählte Biographien
⢠Man into woman: The first sex change â a portrait of Lili Elbe. Herausgegeben von Niels Hoyer. Jarrolds 1933, Neuausgabe: Blue Boat Books, London 2004 (englisch).
⢠Christine Jorgensen: A personal Autobiography. San Francisco 1967 / Neuauflage: Cleis Press, 2000. (Autobiographie, englisch).
⢠Jan Morris: Conundrum: Bericht von meiner Geschlechtsumwandlung. Piper, Mßnchen 1975, ISBN 3-492-02112-3 (Autobiographie, deutsche Ausgabe)
⢠Romina Cecconi â Io la Romanina â percheâ sono diventato donna. Prima Edizione. Vallecchi, Firenze 1976. (Autobiographie italienisch).
⢠Romy Haag â Eine Frau und mehr. Quadriga, Berlin, 1999, ISBN 978-3-88679-328-0.
⢠Duncan Fallowell &, April Ashley: April Ashleyâs Odyssey. Jonathan Cape, 1982, ISBN 978-0-224-01849-4 (Autobiographie, englisch).
⢠Renate Anders: GrenzĂźbertritt â Eine Suche nach geschlechtlicher Identität, Fischer, 1984, ISBN 978-3-596-23287-1 (Autobiographie, deutsch)
⢠Coccinelle par Coccinelle. Editions Filipacchi, Paris 1987, ISBN 978-2-85018-586-1. (Autobiographie, franzÜsisch).
⢠Marie-Pierre Pruvot: Marie parce que câest jolie. Editions Bonobo, 2007 (Autobiographie, franzĂśsisch).
⢠Hannah Winkler: Fe-Male: Hinein in den richtigen KÜrper, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2014 (Autobiographie, deutsch), ISBN 978-3-86265-337-9
⢠Pari Roehi: Mein bunter Schatten, Neues Leben, 2016, (Autobiographie, deutsch), ISBN 978-3-355-01851-7
⢠Lynn Conway: Autobiographie auf ihrer Website (deutsch); ohne Datum, abgerufen im Januar 2018.
⢠Niki Trauthwein: Peter Pan in Hamburg. Gert-Christian SĂźdel: Transpionier, Aktivist und ĂberlebenskĂźnstler. Lit Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-643-14698-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
⢠Niki Trauthwein: Das Leben von Antonio de Erauso, Die geschlechtliche Identität einer baskischen Person in den frßhen Kolonien Sßdamerikas, LIT Verlag, Berlin, 2021
Literatur
⢠2023: Heribert Blass: Transgender: Versuch einer Ortsbestimmung zwischen seelischem Konflikt und politischem Programm. In: Martin Teising, Arne Burchartz (Hrsg.): Die Illusion grenzenloser VerfĂźgbarkeit. Ăber die Bedeutung von Grenzen fĂźr Psyche und Gesellschaft (= Psyche und Gesellschaft). Psychosozial-Verlag, GieĂen 2023, ISBN 978-3-8379-3260-7, S. 77â98, doi:10.30820/9783837961188-77.
⢠2021: Niki Trauthwein (Hrsg.): Charles Henry Le Bosquet â Das Doppelleben der Janet Ashby. Die Ideengeschichte der Transsexualität im frĂźhen 20. Jahrhundert. Aus dem Englischen Ăźbersetzte und kommentierte Ausgabe. Lit, MĂźnster u. a. 2021, ISBN 978-3-643-25013-1 (Leseprobe in der Google-Buchsuche).
⢠2020: Bernd Meyenburg: Geschlechtsdysphorie im Kindes und Jugendalter. Kohlhammer, Stuttgart, 2020, ISBN 978-3-17-035126-4.
⢠2019: Mari Gßnther, Kirsten Teren, Gisela Wolf: Psychotherapeutische Arbeit mit trans* Personen: Handbuch fßr die Gesundheitsversorgung. Reinhardt, Mßnchen 2019, ISBN 978-3-497-02881-8.
⢠2019: Udo Rauchfleisch: Transexualismus â Genderdysphorie â Geschlechtsinkongruenz â Transidentität: Der schwierige Weg der Entpathologisierung. Vandenhoeck & Ruprecht, GĂśttingen 2019, ISBN 978-3-525-40516-1.
⢠2018: Marjolein van den Brink, Peter Dunne: Trans and intersex equality rights in Europe â a comparative analysis. Herausgegeben von der Europäischen Kommission (Directorate-General for Justice and Consumers). BrĂźssel, November 2018, ISBN 978-92-79-95764-2 (englisch; European network of legal experts in gender equality and non-discrimination; doi:10.2838/75428; PDF: 640 kB, 117 Seiten auf ec.europa.eu).
⢠2018: Jean-Daniel Marc Lelle: Lebensqualität, Patientenzufriedenheit und chirurgisches Ergebnis nach geschlechtsangleichender Operation bei Mann-zu-Frau Transsexualismus. Medizinische Doktorarbeit TU Mßnchen März 2018 (PDF: 3,5 MB, 126 Seiten auf ub.tum.de).
⢠2017: United Nations Free & Equal: Transgender. 17. Mai 2017 (englisch; PDF: 383 kB, 4 Seiten auf unfe.org).
⢠2017: Niki Trauthwein: Biographische Skizzen geschlechtlicher Identität. In: Loccumer Pelikan. Nr. 1, 2017, ISSN 1435-8387, S. 45â47.
⢠2016: Niki Trauthwein: Trans*-Community-Zeitschriften und Pamphlete als Bildungsort. In Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Band 29, Heft 4, 2016, ISSN 2365-9890, S. 124â129.
⢠2016: Livia Prßll: Trans* im Glßck: Geschlechtsangleichung als Chance. Autobiographie, Medizinethik, Medizingeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, GÜttingen 2016, ISBN 978-3-525-49011-2.
⢠2016: Gerhard Schreiber (Hrsg.): Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften: Ergebnisse, Kontroversen, Perspektiven. de Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-043439-2.
⢠2014: Hertha Richter-Appelt, Timo O. Nieder (Hrsg.): Transgender-Gesundheitsversorgung: Eine kommentierte Herausgabe der Standards of Care der World Professional Association for Transgender Health. Psychosozial, GieĂen 2014, ISBN 978-3-8379-2424-4 (original: Standards of Care).
⢠2012: Nicholas M. Teich: Transgender 101: A Simple Guide to a Complex Issue. Columbia University, New York 2012, ISBN 978-0-231-15712-4 (englisch).
⢠2009: Douglas Ousterhout: FFS â Facial Feminization Surgery. Addicult Books, 2009.
⢠2005: Elisabeth Greif: Doing Trans/Gender: Rechtliche Dimensionen. Trauner, Linz 2005, ISBN 3-85487-832-X.
⢠2005: Rainer Herrn: Schnittmuster des Geschlechts: Transvestitismus und Transsexualität in der frĂźhen Sexualwissenschaft. Psychosozial, GieĂen 2005, ISBN 3-89806-463-8 (Inhaltsverzeichnis mit Leseprobe [PDF]).
⢠2004: Joanne Meyerowitz: How Sex Changed: A History of Transsexuality in the United States. Harvard University Press 2004, ISBN 978-0-674-01379-7.
⢠2003: Judith Lorber: Gender-Paradoxien. Leske & Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3743-5.
⢠2003: Patrick Califia: Sex changes: The politics of transgenderism. Cleis Press, San Francisco 2003, ISBN 1-57344-180-5 (englisch).
⢠2002: Polymorph (Hrsg.): (k)ein geschlecht oder viele: Transgender in politischer Perspektive. Querverlag, Berlin 2002, ISBN 3-89656-084-0.
⢠2002: Jannik Brauckmann: Die Wirklichkeit transsexueller Männer: Mannwerden und heterosexuelle Partnerschaften von Frau-zu-Mann-Transsexuellen. In: Beiträge zur Sexualforschung. Band 80. Psychosozial, GieĂen 2002, ISBN 3-89806-135-3 (Inhaltsverzeichnis mit Leseprobe).
⢠1999: Helma Katrin Alter: Gleiche Chancen fßr alle. KatrinLive SV, KÜln 1999, ISBN 3-89811-043-5.
⢠1998: Kate Bornstein: My Gender Workbook: How to become a real man, a real woman, the real you, or something else entirely. Routledge, New York 1998, ISBN 0-415-91673-9 (englisch).
⢠1996: Leslie Feinberg: Transgender Warriors: Making History from Joan of Arc to Dennis Rodman. Beacon Press, Boston 1996, ISBN 0-8070-7941-3 (englisch).
⢠1993: Gesa Lindemann: Das paradoxe Geschlecht: Transsexualität im Spannungsfeld von KÜrper, Leib und Gefßhl. Fischer, Frankfurt/M. 1993.
⢠1993: Judith Butler: KÜrper von Gewicht: Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Suhrkamp, Frankfurt 1997, ISBN 3-518-11737-8 (original: Bodies that matter 1993).
⢠1993: Stefan Hirschauer: Die soziale Konstruktion der Transsexualität: Ăber die Medizin und den Geschlechtswechsel. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1993.
⢠1992: Volkmar Sigusch: Geschlechtswechsel. Klein, Hamburg 1992.
⢠1992: Friedemann Pfäfflin, Astrid Junge (Hrsg.): Geschlechtsumwandlung: Abhandlungen zur Transsexualität. Schattauer, Stuttgart 1992.
⢠1981: Sandra Bem: Gender schema theory: A cognitive account of sex typing. Psychological Review, 88(4).
⢠1986: Albert Bandura: Social foundations of thought and action: A social cognitive theory. National Inst of Mental Health. Prentice-Hall, Inc.
⢠1986: Henry Tajfel, John C. Turner: The social identity theory of intergroup behaviour. In S. Worchel, W. G. Austin (eds.): Psychology of Intergroup Relations. Nelson-Hall, Chicago, IL, S. 7â24.
⢠1989: David Perry: Sex differences in the consequences that children anticipate for aggression. Developmental Psychology, 25, 312â319.
⢠1988: Walter Zeyringer (Hrsg.): Das neue Namensänderungsgesetz mit Erläuterungen, Namensänderungsverordnung und Richtlinien. Ăsterreichisches Recht. Manz, Wien 1988, ISBN 3-214-03514-2.
⢠1969: John Money (Hrsg.): Transsexualism and Sex Reassignment. Johns Hopkins Press, Baltimore 1969.
⢠1966: Harry Benjamin: The Transsexual Phenomenon. Julian Press, New York 1966 (englisch; PDF: 998 kB, 156 Seiten auf mut23.de).
⢠1949: David O. Cauldwell: Psychopathia transexualis. In: International Journal of Sexology. Band 16, 1949, S. 274â280 (nachpubliziert in: International Journal of Transgenderism. Band 5, Nr. 2, AprilâJuni 2001; online auf iiav.nl (Memento vom 10. März 2015 im Internet Archive)).
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Transgeschlechtlichkeit
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons
: Transgender
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Transgeschlechtlichkeit
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Transgender
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikibooks: Geschlecht und Identität
â Lern- und Lehrmaterialien
⢠Deutsche Gesellschaft fßr Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit e. V.
⢠Trans-Ident e. V.
⢠TransMann e. V.
⢠TransInterQueer e.V.
⢠Transgender Europe (TGEU) (englisch) â Website des europäischen Dachverbandes mit rund 200 Mitgliedsorganisationen aus 48 europäischen und zentralasiatischen Ländern.
Einzelnachweise
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